Warum ich das angenommene Meinungsbild nicht umsetzen werde – eine kleine Analyse

An dieser Stelle reiche ich nun nach, was ich versprochen hatte: eine kleine Zusammenfassung meiner Gedanken zum Meinungsbild hier: https://lqpp.de/be/initiative/show/2874.html

Zunächst: Ich werde den Vorschlag nicht umsetzen, auch wenn er formal angenommen ist. Von über 500 stimmberechtigten Piraten haben 35 für JA gestimmt. Das genügt mir dann doch nicht so recht als Legitimation. Außerdem handelte es sich eben um ein Meinungsbild und das habe ich ja nun. Ich habe in der Partei nicht die Reichweite, um Massen zu aktivieren, habe derzeit keinerlei Mailinglisten und bin nicht im Mumble. Wenn das jemand weiter führen mag: Nur zu!

Ich möchte mich aber auch mit den Argumenten/Einwänden/Kommentaren auseinandersetzen. Ich habe darüber nachgedacht und versucht, einige Dinge zumindest aus meiner Sicht für mich zu durchleuchten und zu verstehen. Ich gebe zu, das ist mir bei einigen bis heute nicht gelungen. Aber der Reihe nach:

Zunächst habe ich mich sehr gefreut, dass die Ini recht positiv aufgenommen wurde. Auch habe ich mich über jede einzelne Anregung gefreut und versucht, diese mit einzubauen, sofern sie die Möglichkeiten der Ini nicht zu sehr eingeschränkt hätte. Ich habe das im Text wohl auch deutlich gemacht.

Schade fand ich, dass einige das Ding abgelehnt haben, ohne vorher mal nachzuhaken. Schade fand ich auch, dass einige Leute sich weigerten, den Text auch nur zu lesen, weil er eben im LQFB stand. Schade fand ich außerdem, dass das ganze Ding sogar als absurd bezeichnet wurde. Für mich ist der Versuch, der ewigen Shitstormkultur etwas entgegenzusetzen, alles andere als absurd. Ich würde es schlimmstenfalls verzweifelt nennen.

Nun zu den Einwänden:

„Nein da eine objektive Beurteilung der Arbeit nicht gewährleistet werden kann und die üblichen verdächtigen wieder nur auftauchen .“

Es ging in der Ini nicht darum, dass Menschen die Arbeit qualitativ bewerten oder be-verurteilen, sondern darum, dass Menschen sie wahrnehmen. Die Umsetzung der Ini hätte Menschen ein klein wenig Öffentlichkeit gegeben, vielleicht dazu geführt, dass andere darauf aufmerksam werden und sich daran beteiligen.

„Die üblichen verdächtigen“ dazu fällt mir einfach nichts mehr ein. Siehe mein letzter Post.

„Die Idee die dahinter steht finde ich sehr gut!
Aber mir kommt es eher so vor als soll hier ein „positiver Pranger“ geschaffen werden. Das finde ich nicht gut!“

Einen Pranger, wie auch immer, zu schaffen, liegt mir fern. Es ging mir einzig und allein darum, die Arbeit von Menschen sichtbarer zu machen.

„Ich finde es sehr gut, sich Gedanken zu Formen von Anerkennug und Lob zu machen. Bei der Abstimmung bin ich aber unentschieden. Lob an Gruppen wie Squads) finde ich eher gut, an Einzelpersonen via Blog eher nicht so. Zur Umsetzung: Aufs Jahr hätten wir nach diesem Vorschlag dann max. 12 Personen, die positiv hervorgehoben werden. Und bei dem 12. hat’s vielleicht ein Jahr gedauert, vom Vorschlag bis zur Nennung…“

„Anstelle des „Pirat des Monats“ sollten wir lieber die Gruppen (also Squad und Crew) in den Vordergrund rücken und über den Arbeit und Erfolge berichten.“

Nun, das mit den Einzelpersonen hatte ich in der Ini ja dann auch nochmal entsprechend geschrieben: Ich ziehe es auch vor, Gruppen zu erwähnen. Allerdings wollte ich das dennoch nicht kategorisch für Einzelpersonen ausschließen. Man weiß ja nie…

Die Regelung, wie oft/wieviele hatte ich bewusst etwas schwammig gelassen. so hätte man durchaus auch weniger als 12 mal im Jahr, aber andersrum auch in einem Monat mehrere Lobe in einem Post aussprechen können. Und selbst wenn es nur 12 im Jahr sind, ist das mehr, als wir jetzt haben.

„wer jemanden loben möchte, sollte der betreffenden Person einfach eine
Mail schreiben,
habe schon öfters Piraten mit deren Arbeit ich zufrieden bin eine Mail gesendet,
und siehe da, es gab positive Rückmeldungen…,“

Mein Eindruck ist: das passiert eher selten. Viel häufiger wird gemeckert, selten konstruktiv kritisiert. Eine Mail, die nur der gelobte liest, ist zwar schön, bewirkt aber leider nach außen nicht viel. Im text der Ini habe ich übrigens unabhängig vom Ausgang dieser ohnehin zu individuellem Anerkennungsverhalten aufgerufen, das ist scheinbar nicht so gut rüber gekommen.

„und wieviel Lob gut ist oder nicht ist eine pädagogische Frage, wir sind doch alle
erwachsene Menschen die auch gelernt haben mit Lob umzugehen…,“

Daher waren die Angaben zur Häufigkeit etc. ja auch als Vorschlag „markiert“. Im Moment ist das mit den erwachsenen Menschen bei den Piraten meinerseits leider nicht kommentierbar. Sorry dafür.

 

Ich denke, ich habe mit der Ini nicht wirklich überzeugen können und akzeptiere das. Wenn ihr bessere Vorschläge habt, dann bringt sie doch bitte an. Wir brauchen die. Wir müssen dem ewigen Gemecker udn genörgel endlich etwas entgegensetzen. Da hilft uns kein Rückzug in die sogenannte Filterblase, kein Wegsehen, kein selbst immer nur meckern. Manchmal reicht es ja schon, sich selbst zu beobachten und festzustellen: „Hoppla, jetzt hätte ich das fast auch so mit dem Gemecker statt mit konstruktiver Kritik gemacht.“ Das wäre ein Anfang, den alle machen könn(t)en. Ich will hier niemanden anprangern, beschimpfen oder sondergleichen. Ich möchte nur, dass arbeitende Menschen nicht immer noch mehr demotiviert werden. Ich möchte wieder Spaß an dieser Partei haben, möchte wissen, dass es nicht für die Tonne ist, wenn ich in der Partei mal irgendwann wieder irgendwelche Dinge tu. Nehmt mir diesen Post bitte nicht zu übel, er ist nicht als Pranger oder was auch immer gedacht, nur als Denkanstoß. (und wieder nicht korrekturgelesen, wie der letzte)

 

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DIE Berliner sind ja alle schlecht…

Liebe Leute,

ich schiebe diesen Post vor mir her, weil ich immer die Befürchtung habe, dass ich mir mit dem Schreiben dessen schlichtweg die Laune ramponiere.

Abgesehen davon, dass mich der ganze mehr oder weniger unsinnige Rummel in der Partei doch etwas nervt, stösst mir eines am schlimmsten auf: Immer wieder „DIE BERLINER“ tun dies, sie unterwandern dort, sie machen jenes, haben sich davon nicht distanziert. Kurz und unfein: ES KOTZT MICH AN.

Wenn jemand „Die Berliner“ sagt und eine Behauptung dranhängt:

Wieviele von den 3.415.091 Personen kennst/meinst du damit? Ach, gar nicht ALLE Berliner? Nun gut. Ich gehe dann eben mal auf den Kontext Piraten runter:
Wieviele von den 3323 verbleibenden personen kennst/meinst du damit? Ach, gar nicht ALLE Berliner Piraten? Nun gut. Ich gehe dann eben mal auf die stimmberechtigten Berliner Piraten runter: Wieviele von den (leider nur) 493 Personen kennst/meinst du damit?

Ich dachte mal, ich sei in eine Partei eingetreten, die Menschen nicht pauschal verurteilt, die das direkte, klare und ehrliche Wort zu schätzen weiß, die Menschen das Mitmachen ermöglichen will, die für Freiheit genauso steht wie für Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, neue Wege, RESPEKT vor anderen usw.

Seit nunmehr über 2 Jahren nehme ich immer wieder eines bei Bundesparteitagen wahr: Egal wo diese stattfinden, kommen Theorien auf, „Die Berliner“ hätten das alles unterwandert und manipuliert. Denke selbst? Informiere dich? Lass ich jetzt mal so stehen.

Eine Listenkandidaten macht ne Dummheit, wird aus der eigenen Partei mit Shitstorms überzogen, die kein Ende nehmen. UND IHR WUNDERT EUCH, DASS SIE NICHT SOFORT SAGT, SIE SEI ES GEWESEN? Ich habe sie einfach mal angesprochen und ich glaube ihr. Eine andere Dame zieht vor der russischen Botschaft eine Aktion durch, die ich alles andere als gutheiße. UND IHR BESCHWERT EUCH, DASS ICH SIE NICHT IN DEN LANDESVORSTAND WÄHLE? …und das auch noch, nachdem ihr euch schon VOR der Landesmitgliederversammlung aufregt, WEIL SIE GEWÄHLT SEI? Sorry Leute, aber: TICKT IHR NOCH GANZ RICHTIG? Von beiden Vorfällen erfuhr ich übrigens witzigerweise nur durch EURE shitstorms. Und jetzt fragt euch mal, wer die Partei mehr schädigt.

Nein, ich werde NICHT den Landesverband wechseln, nur weil der seine Schwächen hat. Ich wollte nie in eine Partei eintreten, die Politik nur mit Scheuklappen machen kann. Ich wohne in Berlin. Mein Landesverband ist der LV Berlin. Ich werde diesen nicht wechseln und auch nicht umziehen. Auch nicht, wenn man diesen LV ausgliedern, verbrennen oder aufhängen möchte. Ich hatte mit/in diesem LV auch meine Problemchen, bin deshalb zwischenzeitlich sogar aus- und auch wieder eingetreten. Der vergangene Landesvorstand hat zumindest seine Fehler erkannt und und zugegeben. In diesem Landesverband tun Leute Dinge. Gute Dinge, die unter shitstorms begraben werden. Nebenbei versuchen eben diese Leute sich und andere wieder und wieder zu motivieren. Das ist ihnen mit mir zunächst gelungen, jedoch dank all der nicht lustigen Dinge der letzten Wochen leider nicht mit Erfolg belohnt worden, weil ich schlichtweg SO keine Lust hab. „Meine“ Partei hat keinen „eingebauten politischen Gegner“.

Hetzt ruhig weiter gegen die eigene Partei (Ja, da gehört auch dieser LV Berlin dazu.). Strickt weiter dolle Theorien. Macht die BPTs wegen mir auch in Rom oder Paris, damit sie weit von Berlin weg sind. Eines versprech ich euch: Sollte es Leute in Berlin geben, die die Partei „kapern“ oder „unterwandern“ wollen, werden diese das auch bei einem BPT in New York tun. Außer, dass ihr die „durchschnittlichen“ Berliner Mitglieder ausgrenzt und aufgrund ihres Wohnortes DISKRIMINIERT, wird das alles also genau NICHTS bringen.

Indem ihr pauschal ALLE Berliner mit Dreck bewerft, werdet ihr sie ganz sicher für euch gewinnen. Nicht. Und solange das so bleibt, muss ich mir doch sehr überlegen, ob ich diesen kommenden aBPT überhaupt wahrnehmen werde. Wundert euch ruhig, wenn sich ein Landesverband, der dauerhaft immer nur mit Mist beworfen wird, abkapselt und nicht mehr mit euch reden will.

Ach und noch ein Wort zum derzeitigen Bundesvorstand: Ich bin kein Jurist. Ich bin nicht mal Satzungsnerd. Ich habe nicht vor, das derzeitige Konstrukt zu „stürzen“, weil ich zumindest hoffe, dass diese Leute wissen, was sie da tun. Ich hätte es aber im Sinne der Deeskalation für sinnvoller gehalten, die Geschäfte satzungsgemäß an den ältesten amtierenden LaVo abzugeben, der wiederum hätte einen kommissarischen BuVo sicher auch einsetzen können. Nun, ich hab halt keine Ahnung. Macht ihr mal.

ich weiß übrigens auch, dass diesen Post sicher wieder einige lesen werden. Aber wirkliche Veränderung erwarte ich leider auch schon nicht mehr. So traurig. Und bevor hier jemand ein Statement von irgendeinem Vorstand verlangt: diesen Text habe ICH komplett ungefragt geschrieben. Kein Vorstand, kein „Berliner“ hat mich darum gebeten oder mich sogar genötigt das zu schreiben.

Wer Fehler findet, darf sie behalten, ich hab keine Lust, mir den ganzen Scheiß nochmal durchzulesen, um die auszubauen. Danke.

 

Edit: um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen: Eventuell könnte ich für gespräche auf dem aBPT sein, aber nicht mitstimmen. Somit wäre es für mich kein BPT, sondern n soziales Dings.

Piraten und ihre Mack(en)

Och nöööö, schon wieder ein Post über die Piraten. Eigentlich, ja eigentlich wollte ich soeinen Post ja gar nicht bringen, nun tu ichs doch. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, warum Dinge so sind, wie sie sind.
Ich habe einen Blogpost von Daniel Mack gelesen ( http://danielmack.de/das-piratenschiff-sinkt ) , den ich nicht unkommentiert stehen lassen möchte. Vorweg: Herr Mack hat zum Teil Recht. Zum anderen Teil strotzt sein Post vor Arroganz.

Die Piraten befinden sich in einem Formtief, das dürfte allen schon aufgefallen sein. Ja, wir sind unprofessionell. Na und? Wollten wir nicht die neue Kraft aus den Reihen der „normalen“ Menschen sein? In den letzten Monaten ist die Partei rasant gewachsen, mit ihr die Strukturen und die Vielfalt der Menschen und Meinungen in ihr. Es wird viel Arbeit geleistet, vieles auch mehrfach parallel. Es fehlt an allen Ecken und Kanten an Koordination dieser Arbeit und infolge dessen brechen immer wieder Streitereien aus, die eher kontraproduktiv wirken. Vor einiger Zeit schrieb Fabio Reinhardt einen Blogpost ( http://blog.fabioreinhardt.de/piraten/das-dilemma-des-politischen-geschaftsfuhrers/ )  über das politische Geschäftsführer und seine Aufgaben.
Ich finde, er hat Recht.

Und wenn wir jetzt einfach ein neues PolGf wählen, ohne uns Gedanken über die Aufgaben zu machen, wiederholen wir bereits gemachte Fehler. Dass das nicht klug ist, dürfte einleuchten. Also warum definieren wir nicht eine koordinierende Aufgabe für das politische Geschäftsführer? Wie ich mir das vorstelle: bei einer Person laufen die Fäden zusammen, d.h. sie weiß, wo welche Arbeit gemacht wird. Koordinieren heisst für mich keinesfalls Einmischung, auch nicht, dass die koordinierende Person von allem Ahnung haben muß. Diese Person soll lediglich sicherstellen, dass Menschen, die an gleichen/ähnlichen Themen arbeiten, nicht das Rad zweimal erfinden, sondern voneinander erfahren und bestenfalls zusammen arbeiten. Ob nun diese Person alles alleine machen muss? Nein! Das Ganze kann auch von einer Gruppe gemacht werden, diese wiederum muss aber ebenso koordiniert und vor allem transparent und unvoreingenommen arbeiten. Soviel zu meiner Sicht, was paralleles Arbeiten angeht.
Ein weiteres leidiges Thema: jedes gegen jedes, alle gegen alle. Macht Euch bitte bewusst: Die Zeiten der 2000 Mitglieder sind vorbei. Ihr könnt nicht jedes Parteimitglied persönlich kennen oder gar mit ihm befreundet sein. Ihr müsst Menschen nicht gleich heiraten wollen, um mit ihnen arbeiten zu können. Ihr könnt der Partei massiv schaden, wenn ihr andauernd eure persönlichen Streitereien öffentlich eskalieren lasst. Das hat NICHTS, rein gar nichts mit Transparenz zu tun. Persönliche Feldzüge gegen andere Parteimitglieder sind nervig, störend und destruktiv.
Macht euch bitte bewusst: Wenn wir „Mitmachpartei“ und „Basisdemokratie“ SO groß schreiben, tragen ALLE, jede einzelne Person Verantwortung. Für jedes böse Wort auf Twitter & Co. Jedes Mitglied macht ein Stück des öffentlichen Bildes unserer Partei aus.
Ich habe diese ganzen persönlichen Streitereien sowas von satt. Und Herr Mack u.a. freuen sich über Input für ihren Wahlkampf. Bravo!

Lieber Herr Mack,
wir sind keine Profis. wir sind die, die Themen wie Netzpolitik etc eben nicht mehr den sich professionell wegduckenden, Fraktionsdisziplin gegen eigene Überzeugung einhaltenden Profis überlassen wollen. Wir sind BÜRGER dieses Staates, die sich durch die Profis nicht mehr vertreten fühlen. Bitte fragen Sie sich doch mal, warum das so sein könnte. WO waren denn die Profis bei diesen Themen vor den Piraten? WAS haben Sie da bisher durchgesetzt? WARUM beißen Sie jetzt um sich, statt konstruktiv mit enttäuschten Menschen zusammenzuarbeiten?

Und ja, jetzt komm ich auch noch mit der Vergangenheitskeule: Sie möchten mir nicht erzählen, dass die Grünen mit 6 Jahren schon professionell waren, keine Skandälchen und Streitereien hatten, oder? Und dennoch wurden die Grünen gebraucht und haben sich mit der Zeit etabliert. Und sie arbeiten auf bestimmten Ebenen gut mit den unprofesionellen Neulingen zusammen.

Sie freuen sich, dass die Grünen ein von Ihnen erarbeitetes Papier haben. Wir gehen den anstrengenden Weg und versuchen, mehrere Meinungen zusammen zu bringen. Natürlich haben wir da kein fertiges Konzept dazu. Wir wollen neue Wege gehen und damit die Demokratie wieder glaubwürdiger machen. Dass nicht jeder Versuch sofort funktioniert, ist für mich ein Zeichen dafür, dass verschiedene Ansichten aufeinander treffen und dass wir dann eben etwas anderes versuchen müssen. Anstatt Profis zu vertrauen, die sich jahrelang nicht um „unsere“ Themen gekümmert haben, sich jahrelang nicht für unsere Belange eingesetzt, uns jahrelang nicht nach unserer Meinung gefagt haben, wollen wir nun selbst etwas verändern. Und wir scheitern regelmässig in einzelnen Punkten, haben aber auch regelmässig Erfolge.
Ein Volksvertreter, der sich dermaßen arrogant gibt, genießt nicht unbedingt mein Vertrauen als Wähler.

Zurück auf Start?

Tja, hier ist nun besagter Blogpost, den ich heute im Laufe des Tages angekündigt hatte. Stattdessen klemme ich mir die beiden anderen (quasi fertigen) Posts zum Thema Geiz und zur Frage, warum die Berliner Piraten bei der Teilausschreibung der Berliner S-Bahn nicht kooperativer waren.

Warum dies?

Leute, die mich ein wenig kennen, haben in den vergangenen Tage/Wochen sicher schon mitbekommen, dass es etwas ruhiger um mich wurde, insbesondere, was Piraten angeht. Ich habe nachgedacht. Nachgedacht über Dinge, die ich getan/erreicht habe, nachgedacht darüber, ob/wie ich weiter mache und ob ich die Kraft dazu noch habe. Ich bin zu keinem 100%igen Ergebnis gekommen, aber doch zu einem Ansatz.

Damit Ihr versteht, worum es geht, möchte ich einen kleinen Trip in die Vergangenheit mit euch machen.

Der Anfang war irgendwann im Sommer 2011. Auf einem Strassenfest wurde ich überhaupt erst auf die Piraten aufmerksam und fing an, mich mit der Partei und ihren Zielen zu beschäftigen. Beim CSD intensivierte sich der Kontakt und ich war hellauf begeistert. Endlich eine Partei, bei der ich wirklich mitmachen und etwas bewegen kann. Zur Wahlparty am 18.9. unterschrieb ich meinen ersten Mitgliedsantrag für eine Partei überhaupt. Das Piratige Mandat gefiel mir und ich probierte es aus. Ich lief mal eben los und sammelte Wahlplakate ein, überzeugte andere Leute, dabei zu helfen und hatte Spaß dabei. Allein hab ich dann „umgerechnet“ wohl schätzungsweise halb Friedrichshain abgehängt, +/- x. Ich glaube, bei diesen Aktionen habe ich auch einige heute tolle aktive Piraten mit dem Tatendrang angesteckt. DARAUF bin ich stolz!

Ich war zunächst leidenschaftlicher Crewhopper*, schlug hier und dort auf, sammelte mit Piraten Unterschriften für den S-Bahn-Tisch usw. Was mich störte: Im Norden Friedrichshains gab es nicht eine Crew. Diverse Piraten waren der Meinung: „Ne Crew im Norden? Geht nicht“. Ich machte ein Pad auf und suchte Leute, die mitmachen wollten. Am 23.11. gründeten wir unsere Crew**, die Herz aus Gold. Seit diesem Tag bin ich dort der Navigator***.

Unter anderem haben wir recht schnell gemerkt, dass es für neue Leute in der Partei schwierig ist, sich zurecht zu finden. Wir veranstalteten ein Neupiratentreffen. Ausserdem haben wir in lockerer Folge Mitglieder unserer Fraktion im AGH eingeladen, um Kontakt zu halten und Feedback geben zu können. Wir wollten usn informieren. verstehen, anstatt zu meckern.

Dann haben wir in diesem Landesverband noch eine moderierte Ankündigungs-Mailingliste. Diese war/ist immer eine der Empfehlungen für neue Mitglieder, weil hier eigentlich nur wichtige Ankündigungen fast ohne Grundrauschen kommen, man muss nicht groß filtern und weiß Bescheid. Die damaligen Administratoren hatten dank der Wahlergebnisse den Kopf voll, das merkte ich an den z.T. langen Laufzeiten (bis zu 2 Wochen). Also bot ich meine Hilfe an und sie wurde angenommen. Das mache ich nun seit Dezember 2011. Irgendwann wurde ich vom Moderator zum Admin gemacht, ich hab keine Ahnung mehr, wann das war. Eines Tages schrien alle nach verbindlichen Regeln für diese Liste. Da aber kaum jemand welche aufstellen wollte… machte ich ein Pad auf. Inzwischen hinzugewonnene Moderatoren und ich kippten unsere Gedanken hinein. Der damals scheidende Vorstand wollte das lieber über LQFB**** erfragen, also stellte ich eine Ini ein, die zu guter Letzt erfolgreich war und vom mittlerweile neuen Vorstand bestätigt wurde.

Beim CSD 2012 sprang ich kurzfristig als „Strampler“ für die Tram Berta ein, liess mich von Leuten am Straßenrand stellvertretend beleidigen. Naund? Mit großem Spaß nahm ich auch an Anti-ACTA im kalten Februar teil und opferte meinen Geburtstag. Weil es das wert war. Ich stand 2013 protestierend vor der russischen Botschaft. Mit Stolz. Und mit Queeraten*****-Fahne.

Wir haben auch ein ÖPNV-Squad, in dem ich Mitglied war, die entsprechende Mailingliste „besorgt“ und auch administriert habe. Weil ich nicht wirklich oft zu den Treffen konnte, hatte ich angeboten, online mitzuhelfen, wo ich kann. Irgendwann war ein Punkt erreicht, an dem das Passwort für die Mailingliste erfragt wurde, ich fühlte mich nicht mehr willkommen und zog mich zurück, was der Ansprechpartner dieses Squads noch durch Gespräche zu verhindern suchte. Ich hatte mich nicht umstimmen lassen.

Ich habe immer versucht, Gräben zuzuschütten, anstatt neue auszuheben, habe versucht, Kompromisse zwischen verstrittenen Leuten zu finden und zu vermitteln, Kontakte herzustellen usw. Und ich kümmere mich auch gern um kleine Dinge. Weil sie auch dazu gehören.

Meine Bilanz ist nun irgendwie ernüchternd. Unsere Inhalte (ja, die haben wir) sind inzwischen hinter Querelen, Streitereien, Skandälchen etc kaum noch zu sehen. Viele Leute schindern wie bekloppt und ihre Arbeit wird kaum wahrgenommen. Das ist frustrierend. Ich konnte hier NICHTS erreichen.

Die Crew: sie wird immer kleiner. Mögliche Tagesordnungen bastle ich allein. Oder auch nicht. Denn ich möchte eben nicht Top-Down arbeiten, was ich auch immer ganz klar zum Ausdruck brachte. Wenn niemand was für die TO hat, gibts halt keine mehr. Wir hatten mehrere Streitereien, von denen die meisten aber produktive Ergebnisse hatten. Bis auf die letzte, die ich bis heute nicht durchschaue. Mehrere Gespräche und eine versuchte Schlichtung waren erfolglos. Mir wird von einer Person nachgesagt, ich hätte sie als ehemaligen Stasi-IM diskreditiert/diskreditieren wollen. An dieser Stelle nochmal: sowas liegt mir fern. ich habe einen Heidenrespekt vor Leuten, die der Stasi damals die Stirn boten. Ich wüsste nicht, ob ich das könnte. Eine Kommunikation mit besagter Person ist unmöglich geworden.Eben jene Person organisiert Dinge mit/für die Crew, wünscht jedoch keinen Kontakt mit mir, und verweigert ihn auch. Mit besagtem Menschen hatte ich übrigens zuvor wirklich gut und gerne zusammengearbeitet und ich habe diesen sehr geschätzt. (Ein Blog, in dem diverse Vorwürfe gegen unseren Käptn und mich gemacht wurden, verschwand wundersamerweise ausgerechnet um den Zeitpunkt der Aufstellungsversammlung für die Berliner Landesliste.) Zum Protest an der Eastside Gallery bin ich nicht gegangen, um nicht auf diese person zu treffen. Damit kann ich mein Pöstchen als Navigator nicht mehr sinnvoll füllen: Gescheitert. (Anmerkung 11.3.2013: genanntes Blog ist nun doch wieder online, nein, ich werde es NICHT verlinken)

Die Ankündigungsliste: Leute schrien erst nach Regeln, jetzt wollen sich viele nicht dran halten. Nun gut. Von einer Person wurde mir kürzlich Zensur vorgeworfen. Diesen Vorwurf konnte ich (hoffentlich) entkräften. Da es sich um ebenjene Person handelt, um die es auch bei der Crew geht, kann ich deren Mails nicht unvoreingenommen bearbeiten, da der Zensurvorwurf ja auch ganz schnell wieder da sein könnte. In der LQFB-Ini habe ich mich klar gegen Zensur ausgesprochen. Ich lasse sie derzeit also liegen für die anderen Moderatoren. Nicht mein Anspruch: Gescheitert.

Inklusion: Es gibt seit Januar eine Pledge******, bei der es darum geht, Menschen mit speziellen Bedürfnissen den Zugang zu Bundesparteitagen zu ermöglichen. Ich habe viel dafür geworben. Von den notwendigen 1000 Unterstützern (die Partei hat ca 35000 Mitglieder) haben wir zum Zeitpunkt, zu dem dieser Eintrag erstellt wurde, 128 zusammen. Es geht um 10 Euro pro Nase. Leute streiten sich offenbar lieber über andere Dinge und spenden scheinbar lieber für BuVo-Neuwahlen. Auch an dieser Stelle bin ich damit: enttäuscht und Gescheitert.

Was ich beobachte: Ich rauche mich ohne Ergebnis auf. Das ist so sinnlos und bringt weder mir noch der Partei etwas. Beim Versuch, Streitigkeiten zu schlichten, bin ich nun selbst unglaubwürdig geworden. All das lähmt mich und lässt mich zweifeln. Also was nun?

Da dieser Blogpost mit niemandem abgesprochen ist und ich nicht möchte, dass das Leute eiskalt erwischt, werde ich zum 31.3.:

* als Navigator der Crew Herz aus Gold zurücktreten, da ich der Crew nicht schaden will. Ich muss ja annehmen, dass Leute glauben, was ihnen erzählt wird.

* die Administration/Moderation der Berliner Ankündigungsliste abgeben.

* mich zunächst erstmal in die Inaktivität zurückziehen, sofern mir das gelingt. Es schreien genug Leute rum, die es wohl besser können, sollen diese ruhig mal tun.

* was die Wahlkampfbeauftragung angeht: Wir sind zum Glück zu dritt. Die AV für Friedrichshain-Kreuzberg/Prenzlauer Berg Ost liegt in guten Händen. Hier kann ich nicht allzuviel versauen. Ich möchte versuchen, wenigstens diese Beauftragung ein wenig (nach meinen Kräften) auszufüllen, sofern das noch gewünscht ist. (Kommentare sind erlaubt)

Ich bitte hiermit um Entschuldigung bei allen Leuten, die dieser Schritt jetzt überraschen sollte, ich bitte auch um Verständnis. Nein, ich trete NICHT aus der Partei aus. Zuviele tolle Leute haben mich davon überzeugt, dass das falsch wäre. Ich halte diesen Schritt für wichtig und sinnvoll. Zumindest aus meiner Sicht. Ich brauche derzeit ein wenig Abstand und Ruhe. Ich komme wieder. Wenn Ihr das wollt und ich es kann.Ausserdem möchte ich mich auch bei all denen, mit denen ich mich schon im Vorfeld unterhalten habe, die mich motivieren wollten, für diesen Schritt entschuldigen. Ihr habt mich vor ner voreiligen Aktion bewahrt.

Ich möchte wieder mit tollen Leuten tolle Aktionen machen, ohne Intrigen, Neid und was auch immer. Für unsere Zukunft.

So long and thanks for all the fish!

Erklärungen für Nicht-Piraten:

* Crewhopper: eine Person, die andere Crews besucht

** Crew: ein meist kleinerer Haufen Leute, die sich lokal begrenzt sozial vernetzen. Eine Crew ist ein informelles Ding, kein Ortsverband oder dergleichen. Nicht alle Landesverbände haben auch Crews. Es gibt sehr unterschiedliche Crews, solche, die sehr viel thematische Arbeit tun und solche, die einfach mal gemeinsam reden udn was trinken wollen. Bei uns hat sich das irgendwie in der Mitte getroffen.

*** Navigator: ist eine Person in der Crew, die das Ganze nach innen zusammenhalten, koordinieren soll. Manche Crews nennen diese Leute auch 1. Maat oder irgendwie anders, ist halt informell. Es gibt oft auch noch einen Käptn oder eben was anderes (Geschlecht wurscht), der/die das Ganze nach aussen hin mehr oder weniger vertritt.

**** LQFB: kurz für Liquid Feedback, das ist ein Onlinetool, um Meinungsbilder einzuholen, es gibt hier verschiedene Instanzen und auch nicht jeder Landesverband nutzt es.

***** Die Queeraten: sidn eine bewegung innerhalb der Partei, die sich für die Belange „queerer“ Leute, also z.B. homo-,trans- oder anders sexueller Menschen einsetzen.

****** Pledge: Eine Versprechensdatenbank. Man kann ein Versprechen abgeben, das man erfüllt, wenn es eine festgelegte Anzahl an Leuten ebenfalls tut. Meine 10 Euro habe ich sofort überwiesen.

Warum wir mehr Miteinander wagen sollten

Da sind sie wieder:

Lautstarke Diskussionen, jedes weiß es besser und alle anderen haben ja sowieso keine Ahnung. Wie leid ich das bin. Nur nie nachgeben. Andere haben gefälligst meiner Meinung zu sein, sie ist eh die einzig richtige.

Wenn ich mich selbst mal so beobachte, reagiere ich auf „Du musst“ in der Regel mit der Haltung: „Nö, muss ich nicht.“ Ich glaube, so ist Mensch irgendwie von Natur aus. Kinder, denen Vorschriften gemacht werden, reagieren oft trotzig.

In der Schule musste ich damals Russisch lernen. Ich habe es gehasst. Heute möchte ich diese Kenntnisse von mir aus reaktivieren und erweitern, ganz ohne dass mich jemand dazu zwingt oder drängt.

Bei einem Streit mit einem Telefonanbieter lernte ich:

In manchen Situationen werden leise Töne eher gehört als laute.

Also ganz zuerst: Dieses Stückchen Text soll versöhnen, nicht spalten. Es soll zum Nachdenken anregen und unnötige Fronten abzubauen helfen.

Ich verfolge nun seit geraumer Zeit diverse Diskussionen um Gender-foo, Sprachzeugs, Literatur, SMV usw. In all diesen Diskussionen gibt es jede Menge Argumente. gute, weniger gute und welche, die daneben sind. Vielen davon mag ich mich inzwischen gar nicht mehr anschliessen, weil hier gar nicht mehr versucht wird, Menschen zu überzeugen. Jedes geht wie selbstverständlich davon aus, dass seine Meinung die einzig wahre ist. Ich möchte aber nicht gedrängt werden.

Ich möchte überzeugt werden. Die „Holzhammermethode“ funktioniert da bei mir in den allerseltensten Fällen.

Eure Meinung mag richtig sein. Ich mag mich irren. Anstatt weggedrängt zu werden, möchte ich aber lieber mit Respekt behandelt werden. Ich möchte mit sachlichen Argumenten in vernünftigem Ton zu Nach- und/oder Umdenken kommen oder auch die Chance haben, Euch meine Argumente erklären zu dürfen. Geht das?

Statt Menschen wegzudrängeln oder vor sich herzuschubsen, statt mit Scheuklappen loszugehen und keine anderen Argumente zuzulassen, immer fleissig draufzuhauen, könnten wir ja auch mal MITeinander reden. Und nein, ich möchte hier keine Spinner, Relativierer oder sonstiges in der Richtung verteidigen.

Wir haben aktuell z.B. die Debatte um eine ständige Mitgliederversammlung. Eines der einleuchtendsten Argumente dafür ist wohl die Tatsache, dass wir mit den wenigen bezahlbaren Bundesparteitagen die Masse an Arbeit nicht schaffen. Ich kenne uns alle diesbezüglich, dass wir ja so Tooldebatten irgendwie „lieben“, aber bringt es uns weiter, wenn wir uns daran festbeißen? 😉 Wenn wir uns nun erstmal einen Plan machen, was sichergestellt werden muss und was weniger wichtig ist, was hält uns davon ab, später zu schauen, welches Tool am besten passt? Klingt einfach, ist es aber nicht. Wir hauen uns die Köpfe ein, weil es verschiedene Meinungen gibt, jedes weigert sich, sich die Argumente anderer auch nur anzuhören.

So funktioniert das nicht und wir reden ein wichtiges Thema kaputt.

Können wir bei all den Meinungen nicht erstmal nach Gemeinsamkeiten suchen, statt nach Unterschieden?

Irgendwann ist der Druck, „die richtige Meinung zu haben“, so groß, dass zumindest ich mich vom Thema resignierend abwende.
Ich befürchte, mit diesem Verhalten nicht allein zu sein. Wenn wir Menschen unsere Meinung „überhelfen“, nehmen wir ihnen das eigentliche (Um)Denken ab und ändern in den Köpfen nicht viel. Machen wir da nicht genau das, was wir „Symptombehandlung“ nennen? Wir verheizen uns gegenseitig und unser produktives Potenzial sinkt.

Ich bin übrigens davon überzeugt, dass wir „mal wieder runter kommen“ dürfen, dass uns das gut täte, sowohl was unseren Seelenfrieden als auch unsere Arbeit angeht. Darum wünsche ich mir, dass wir vernünftig miteinander umgehen, sachlich und fair argumentieren – überzeugen. Das ist schwierig, langwierig und zermürbend, aber auch nachhaltig, wenn wir gemeinsam dranbleiben.

Schließlich gibt es keine perfekten Menschen, aber einige, die an sich arbeiten.

Alle unsere Themen sind zu wichtig, um sie Trotzreaktionen zu opfern. Wer für etwas kämpft, muss mit Widerstand rechnen, auch mit dem eigenen. Ich will Themen aus Überzeugung unterstützen, andere überzeugen. Ich gehe dafür auch den mühsamen Weg. Ist es nicht vielleicht ein guter Weg, entspannter zu überzeugen, indem wir fragen, anstatt Dinge zu behaupten?

Wer fragt, erspart sich Ärger.

(Das habe ich mal in einer Fortbildung gelernt, man stellt sein Gegenüber nicht pauschal ins Unrecht.)

Vielleicht habt Ihr gerade eine Diskussion mit einem Menschen, das im Grunde längst auf Eurer Seite steht. Sind verbale „Warnschüsse“ in so einem Fall nicht eher katastrophal?

Im Kleinen wie im Großen: Nehmt Menschen mit. Übt das! Kritisiert konstruktiv, auch euch selbst. Lacht über euch selbst und gemeinsam.

Ob ihr das nun Selbstreflektion oder wie auch immer nennt, ist völlig egal. Bedenkt einfach nur: ihr habts mit anderen Menschen zu tun, die vielleicht nicht über die gleichen Informationen verfügen wie ihr, die vielleicht andere Erfahrungen haben.

Streitet euch! Vergesst aber nicht, euch zum Schluss wieder zu vertragen!

Mit Sympathie geht so vieles leichter. Nicht jedes mit anderer Meinung ist euer Feind! Mehr denn je brauchen wir vernünftigen und lebhaften Diskurs. Wir haben viele Themen, viele Baustellen, die beackert werden wollen. Das ist nur konstruktiv zu schaffen. Wenn wir die Gesellschaft verändern wollen, müssen wir direkt bei uns selbst anfangen, weitere Menschen überzeugen, ihnen zeigen, dass unser Weg Vorteile bietet.

Wir sollten uns als erstes die Zeigefingermethode abgewöhnen. Sie funktioniert nicht! Und auch sogenanntes „friendly fire“ macht Dinge kaputt, Dinge, die wir eigentlich ALLE wollen.

Und nochwas: Das Beispiel, auf das ich mich hier heute bezog, ist EINES von vielen. Ihr könnt selbst denken. Übertragt den Text einfach mal auf Eure (zwischenmenschlichen) Baustellen. Bei allen Meinungsverschiedenheiten haben wir doch letztlich ein gemeinsames Ziel, auf das es sich zu konzentrieren gilt. Lasst uns unsere Kraft bündeln, um gemeinsam unsere Themen energisch und überzeugend nach aussen zu vertreten!

Was ich übrigens leider extra nochmal betonen muss: ich nehme keine Leugner, Nazis, Esotheriker etc. mit. Warum sollte ich auch. Ginge es nach dem, was solche Leute wollen, gäbe es mich gar nicht.

An alle anderen:
Mehr Sympathie wagen! Mehr Empathie wagen! Mehr Miteinander wagen!

P.S.: Was Ihr hier gerade gelesen habt, ist durch konstruktive Zusammenarbeit deutlich aufgewertet worden. 🙂

Warum ich die Regeln für die Berliner Ankündigungsliste wichtig finde

Dieser Eintrag richtet sich in erster Linie an die Berliner Piraten, insbesondere die, die die Ankündigungsliste benutzen.
Vielleicht ist es aber auch für andere interessant. Ich möchte Euch kurz die im Liquid beschlossenen Regeln erläutern und damit ein kleines Howto an die Hand geben, damit Eure Nachrichten schnell und problemlos ankommt.

Vorab eine kleine Geschichte, wie es überhaupt zu alldem kam:
Vor einiger Zeit geisterten auf der Liste Mails herum, die die Leser im geringsten Falle verwirrten, im schlimmeren sogar verärgerten.
Dies war möglich, weil alles mehr oder weniger nach Gefühl freigeschaltet wurde. Bei einer kleinen Liste ist das ja auch ansich kein Problem.
Nun wurden via Twitter immer mehr Rufe nach Regeln laut. Da aber sonst NICHTS passierte, bastelte ich ein Pad, in dem ich Anregungen sammelte. (Nein, es fanden sich nicht wirklich viele, die daran mitwirkten).
Nun stand ich da mit einem kleinen Regelwerk, das ich aber nicht einfach der Liste überstülpen wollte. Viel Zeit verlieren wollte ich aber auch nicht. Also stellte ich einen Umlaufbeschluss an den damaligen Vorstand, der auf mich allerdings den Eindruck erweckte, in der restlichen (kurzen) Amtszeit nicht mehr wirklich was entscheiden zu wollen. Der Beschluss wurde abgelehnt, immerhin mit dem Hinweis, ich möge es via LQFB versuchen.
Das tat ich dann auch, nämlich hier: https://lqpp.de/be/initiative/show/2208.html
Ich bewarb das Ding fast täglich und siehe da: es wurde angenommen.
Nun stand ich da mit 62 Stimmen von ca 3000. Also stellte ich einen erneuten Umlaufbeschlussantrag an den mittlerweile neuen Vorstand und der wurde positiv beschieden.

Worum gehts nun genau?
Hier die wichtigsten Punkte:

Muss:

  • Ankündigungen an/für den Berliner LV (ist wohl selbsterklärend)
  • Wann? Wo? Wer? Was? (ebenfalls. Es ist auch immer sinnvoll, einen Kontakt anzugeben für Rückfragen, weil diese direkt auf der Liste eben NICHT gehen.
  • Keine Crosspostings (weil jede Antwort von anderen Listen dann auch durch die Moderation muss: Sinnlose Mehrarbeit) Also bitte die 5 Sekunden aufbringen und die Mail an die Ankündigungsliste bitte, bitte, bitte einzeln verschicken!
  • keine Inhalte, die Parteizielen und -positionen widersprechen (der einzige Punkt, an dem man vielleicht „Zensur!“ schreien könnte. Da die Liste aber offenbar irgendwie als offizieller Kanal wahrgenommen wird, muss das mit rein. Im Übrigen habe ich mich sonst in der Ini gegen Zensur ausgesprochen)
  • keine privaten Daten Dritter (sollte selbstverständlich sein)
  • keine Antworten an die Liste (gleicher Grund wie die Crosspostings. Die meisten Mailclients bieten ein „Antwort an Absender“, womit man dem Absender der Mail direkt antworten kann)
  • keine Nachrichten via Syncom/Newsserver (eben weil diese nicht wirklich lesbar sind in der Voransicht)
  • keine trivialen Ankündigungen, wie „Ich mach dann mal Urlaub“ oder „Crew XY hat einen neuen Käptn, weil diese auf anderen Listen besser aufgehoben sind und das sonst angenehm niedrige Grundrauschen unnötig erhöhen würden. Eben jenes niedrige Grundrauschen ist für viele ein Grund, die Liste zu lesen: Alle wichtigen Dinge beisammen, ohne dass mans nochmal filtern muss.
  • Ablehnungen sollen IMMER begründet werden. Die einzige Ausnahme hier: Spam.
  • Das Ganze soll in der Voransicht lesbar sein. (Bitte verzichtet auf hübsche HTML-Mails und sonstige Sachen, die bei Euch im Mailclient vielleicht hübsch aussehen, in der Voransicht fürs Freischalten kann man dann NIX mehr erkennen und wie soll ich das dann ruhigen Gewissens freischalten? Ausserdem werden die Mails dadurch oft unnötig groß und es soll Leute geben, die diese mit dem Smartphone lesen) Die meisten Clients bieten verschiedene Optionen, wobei „html“ meist leider Voreinstellung ist. Wähle bitte lieber „ascii“ oder „plain text“/“Fließtext“ aus).

Soll:

  • fasse Dich kurz! (wird idR eher gelesen, als lange komplizierte Texte wie dieser hier)
  • Wenn ne Mail mit dem Lavo abgesprochen ist, kurzen Hinweis darauf (mögl. mit Nennung des Vorstandsmitglieds) an den ANFANG
  • bitte keine Anhänge (gegen eine Pgp-Signatur wird niemand etwas haben)
  • für Rückfragen etc sollte Ansprechpartner, Pad oder sowas angegeben werden, dann muss niemand an die Liste antworten
  • nicht mehrfach senden, wenn noch nicht freigeschaltet (bearbeitet) wurde (Thema Mehrarbeit, bitte habt ein wenig Geduld)
  • Ankündigungen sollen möglichst überbezirklich sein.

Unser Team besteht derzeit aus 4 Menschen, die dafür sorgen, dass die Liste lesbar bleibt und alle schnell verteilt wird. Wir machen das alles quasi nebenher.

Wenn Ihr die Regeln beachtet, helft Ihr uns ungemein dabei, dass die schnelle Freischaltung auch schnell bleibt. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da brauchte eine Mail zur Freischaltung bis zu zwei Wochen. Inzwischen handelt es sich idR um Stunden. Bitte gebt uns auch ein wenig Zeit, bzw sendet Eure Nachricht rechtzeitig.

Wenn Ihr Fragen zur Liste habt, scheut Euch nicht, zu fragen. Es gibt keine blöden Fragen! Das könnt ihr gern hier tun als Kommentar oder auch per Mail an berlin-ankuendigungen-owner <ät> ists <dot> piratenpartei <punkt> de

Danke fürs Durchhalten und lesen,

Euer Sven

Piraten und so…

Liebe Piraten (und ich meine ALLE!),

 

in letzter Zeit flammen wieder Diskussionen um Themen auf, die auch mich beschäftigen und dazu möchte ich heute auch mal meinen Senf geben.

Die Sache mit den Neupiraten

Neupiraten sind Piraten. PUNKT.

Die Menschen kommen zu uns, weil sie irgendwas an dieser Partei reizt oder anzieht oder beides. Oder weil sie glauben, dass sie mit ihren Ideen bei uns ein Zuhause finden.

Das heisst nicht, dass sie alles bereits kennen, ganz im Gegenteil. Aber sie kommen zu uns und das ist gut so.

Nun gibt es Menschen in dieser Partei, die sich wundern, dass neue Leute irgendwie anders ticken, wichtige Werte nicht kennen usw.

Aber woran liegt das denn? Habt Ihr Euch diese Frage mal gestellt? Oder Euch mal gefragt, wie IHR das ändern könnt? Nein?

Ich selbst bezeichne mich als einen dieser Neupiraten. Ich bin offiziell seit September dabei, inoffiziell ein bisschen länger. Ich hatte einen Vorteil: Ich geriet an Menschen, mit denen ich persönlich „gut kann“. Ich lernte schnell noch mehr Leute und auch die wichtigsten Tools kennen und hatte damit einen entscheidenen Vorteil: Ich war gut vernetzt. Und ich konnte mich zügig einbringen. Ich konnte eine Crewgründung anschieben. Eben diese Crew besteht fast komplett aus solchen „Neupiraten“ und sie tut Dinge. Vor einiger Zeit kam es dort zu Diskussionen mit einem „Altmitglied“. Da kamen so Sprüche, wie „Durch die Neuen kommen wir zu nix.“ Der Beste aber war: „Wir wollten ja vor xyz Jahren schonmal so einen Neupiratenabend machen.“ Meine Reaktion war die schlichte Gegenfrage: Und warum HABT Ihr nicht? Und wir taten es. Wir veranstalteten dieses Neupiratentreffen, bei dem wir die Menschen ein wenig an die Hand nahmen, ihnen die Grundzüge und die Werte der Partei erklärten, die Tools ansprachen und zur Vernetzung anregten. Wir haben für Ersteres übrigens einen Piraten der ersten Stunde gewinnen können und das war toll.

Einige dieser neuen Mitglieder sind jetzt aktive Piraten. Na, merkt Ihr was?

Nicht jeder Mensch wuselt sich alleine da durch.

WIR müssen die Neumitglieder abholen.
WIR müssen den Leuten klarmachen, worum es bei uns geht.
WIR müssen zeigen, was wir wollen und was wir NICHT wollen, und das deutlich.
WIR müssen dafür sorgen, dass wir EINE Partei sind.
WIR sind DIE Piraten. So sieht das jeder da draussen, den ich kenne.
WIR als diese ominöse Basis haben die Verantwortung dafür, was geschieht, wie unsere Partei wahrgenommen wird.
WIR müssen dafür sorgen, dass sich weder Nazis noch Sexisten noch Scientologen oder …. bei uns wohlfühlen.

 

Strömungen in der Partei

Die Partei wächst und damit zwangsläufig auch die Vielfalt der Menschen in ihr. Dadurch entwickeln sich unterschiedliche Strömungen. Soweit ist dies alles normal. Durch unsere große Offenheit, die hohe Basisorientierung und unsere niedrigen Schwellen, was Beteiligung angeht, entwickeln sich allerdings auch solche Strömungen, die sich ganz und gar nicht mit unseren Werten und Zielen decken, sie zum Teil sogar negieren. Soetwas geht GAR NICHT.

Piraten, die in ein Land einmarschieren wollen, solche, die für Wahlplakate anderer Parteien mit dem Slogan „Nazis unter falscher Flagge“ sorgen, welche, ach, ich spare mir die weitere Aufzählung, weil mir sonst noch schlecht wird.

WIR ALLE haben die Pflicht und Verantwortung, uns damit auseinanderzusetzen. Wir müssen unsere Werte und Ziele verteidigen. Jedes einzelne Mitglied ist gefordert, Leuten zuzuhören. Gut zuzuhören. Wachsam, aber nicht hysterisch zu sein.

Die wenigsten haben Rhetorik, Geschichte etc studiert und wissen damit, wie das was sie sagen beim anderen ankommt. Aber einige wissen das eben SEHR genau. Sie nutzen die niedrigen Einstiegshürden und unsere Basisoffenheit aus, schaden der Partei und letztendlich uns allen.

Verlasst Euch nicht auf Twitter & co. Hinterfragt. Alles. Jeden. Bleibt fair und respektvoll dabei.

 

Jede(r) gegen jede(n)

Ich stelle immer wieder fest, dass sich immer und überall Gräben auftun. Wir zerstreiten uns, treiben uns gegenseitig in hysterische Aktionen und verlieren dabei ganz aus den Augen, was WIR eigentlich wollen und wo wir die Gräben eigentlich ziehen sollten, nämlich zwischen uns und Nazis, Sexisten, etc. und -wenn nötig- dem politschen Gegner.

Begriffe wie „Piraten 1., 2., 3. Generation“ erscheinen mir manchmal fast wie eine Einteilung in Klassen. Darum müssen solche Begriffe WEG.
Ich selbst habe von Anfang an daran gearbeitet, wenn mich was ärgert, z.B. nicht zu sagen „Die Bayern“, „Die Sachsen“ etc. Denn ich habe schnell begriffen, dass das noch tiefere Gräben zieht, die uns ganz sicher nicht helfen, unsere Ziele zu erreichen und dass ich in dieser Partei ÜBERALL Freunde habe.

Gräben gibt es nur da, wo wir selbst sie ziehen.

Darum, bitte: REDET miteinander (Twittern ist KEIN Reden).
Vernetzt Euch. Nehmt neue Mitglieder mit. Zeigt gemeinsam, was wir wollen. Klar, deutlich und unmissverständlich.
Und nein, man muss nicht jeden Piraten total lieb haben. Ein respektvoller Umgang ist aber nicht zuviel verlangt.

Ich habe in letzter Zeit soviel an persönlichen Querelen mitbekommen, die in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Aber das ist für mich keine Transparenz. Das ist Schlammschlacht auf unterstem Boulevard-Magazin-Niveau.

Da werden Vorstände oder Abgeordnete angegriffen, die das zumeist vorher noch NIE gemacht haben. Anstatt rumzumeckern: HELFT.

Versucht, die Leute und das, was sie tun, konstruktiv zu hinterfragen, sie zu verstehen und ihnen zu helfen. Wir können und dürfen uns nicht zu Machtspielchen hinreissen lassen.

Denn wir haben genügend andere Sorgen. Ob wir unsere Ziele erreichen, liegt nur und ausschließlich an UNS ALLEN.

 

Vielen Dank an Katja und Stefan, die mir mit Korrekturlesen und Tips für diesen Text zur Seite standen 🙂