Warum ich das angenommene Meinungsbild nicht umsetzen werde – eine kleine Analyse

An dieser Stelle reiche ich nun nach, was ich versprochen hatte: eine kleine Zusammenfassung meiner Gedanken zum Meinungsbild hier: https://lqpp.de/be/initiative/show/2874.html

Zunächst: Ich werde den Vorschlag nicht umsetzen, auch wenn er formal angenommen ist. Von über 500 stimmberechtigten Piraten haben 35 für JA gestimmt. Das genügt mir dann doch nicht so recht als Legitimation. Außerdem handelte es sich eben um ein Meinungsbild und das habe ich ja nun. Ich habe in der Partei nicht die Reichweite, um Massen zu aktivieren, habe derzeit keinerlei Mailinglisten und bin nicht im Mumble. Wenn das jemand weiter führen mag: Nur zu!

Ich möchte mich aber auch mit den Argumenten/Einwänden/Kommentaren auseinandersetzen. Ich habe darüber nachgedacht und versucht, einige Dinge zumindest aus meiner Sicht für mich zu durchleuchten und zu verstehen. Ich gebe zu, das ist mir bei einigen bis heute nicht gelungen. Aber der Reihe nach:

Zunächst habe ich mich sehr gefreut, dass die Ini recht positiv aufgenommen wurde. Auch habe ich mich über jede einzelne Anregung gefreut und versucht, diese mit einzubauen, sofern sie die Möglichkeiten der Ini nicht zu sehr eingeschränkt hätte. Ich habe das im Text wohl auch deutlich gemacht.

Schade fand ich, dass einige das Ding abgelehnt haben, ohne vorher mal nachzuhaken. Schade fand ich auch, dass einige Leute sich weigerten, den Text auch nur zu lesen, weil er eben im LQFB stand. Schade fand ich außerdem, dass das ganze Ding sogar als absurd bezeichnet wurde. Für mich ist der Versuch, der ewigen Shitstormkultur etwas entgegenzusetzen, alles andere als absurd. Ich würde es schlimmstenfalls verzweifelt nennen.

Nun zu den Einwänden:

„Nein da eine objektive Beurteilung der Arbeit nicht gewährleistet werden kann und die üblichen verdächtigen wieder nur auftauchen .“

Es ging in der Ini nicht darum, dass Menschen die Arbeit qualitativ bewerten oder be-verurteilen, sondern darum, dass Menschen sie wahrnehmen. Die Umsetzung der Ini hätte Menschen ein klein wenig Öffentlichkeit gegeben, vielleicht dazu geführt, dass andere darauf aufmerksam werden und sich daran beteiligen.

„Die üblichen verdächtigen“ dazu fällt mir einfach nichts mehr ein. Siehe mein letzter Post.

„Die Idee die dahinter steht finde ich sehr gut!
Aber mir kommt es eher so vor als soll hier ein „positiver Pranger“ geschaffen werden. Das finde ich nicht gut!“

Einen Pranger, wie auch immer, zu schaffen, liegt mir fern. Es ging mir einzig und allein darum, die Arbeit von Menschen sichtbarer zu machen.

„Ich finde es sehr gut, sich Gedanken zu Formen von Anerkennug und Lob zu machen. Bei der Abstimmung bin ich aber unentschieden. Lob an Gruppen wie Squads) finde ich eher gut, an Einzelpersonen via Blog eher nicht so. Zur Umsetzung: Aufs Jahr hätten wir nach diesem Vorschlag dann max. 12 Personen, die positiv hervorgehoben werden. Und bei dem 12. hat’s vielleicht ein Jahr gedauert, vom Vorschlag bis zur Nennung…“

„Anstelle des „Pirat des Monats“ sollten wir lieber die Gruppen (also Squad und Crew) in den Vordergrund rücken und über den Arbeit und Erfolge berichten.“

Nun, das mit den Einzelpersonen hatte ich in der Ini ja dann auch nochmal entsprechend geschrieben: Ich ziehe es auch vor, Gruppen zu erwähnen. Allerdings wollte ich das dennoch nicht kategorisch für Einzelpersonen ausschließen. Man weiß ja nie…

Die Regelung, wie oft/wieviele hatte ich bewusst etwas schwammig gelassen. so hätte man durchaus auch weniger als 12 mal im Jahr, aber andersrum auch in einem Monat mehrere Lobe in einem Post aussprechen können. Und selbst wenn es nur 12 im Jahr sind, ist das mehr, als wir jetzt haben.

„wer jemanden loben möchte, sollte der betreffenden Person einfach eine
Mail schreiben,
habe schon öfters Piraten mit deren Arbeit ich zufrieden bin eine Mail gesendet,
und siehe da, es gab positive Rückmeldungen…,“

Mein Eindruck ist: das passiert eher selten. Viel häufiger wird gemeckert, selten konstruktiv kritisiert. Eine Mail, die nur der gelobte liest, ist zwar schön, bewirkt aber leider nach außen nicht viel. Im text der Ini habe ich übrigens unabhängig vom Ausgang dieser ohnehin zu individuellem Anerkennungsverhalten aufgerufen, das ist scheinbar nicht so gut rüber gekommen.

„und wieviel Lob gut ist oder nicht ist eine pädagogische Frage, wir sind doch alle
erwachsene Menschen die auch gelernt haben mit Lob umzugehen…,“

Daher waren die Angaben zur Häufigkeit etc. ja auch als Vorschlag „markiert“. Im Moment ist das mit den erwachsenen Menschen bei den Piraten meinerseits leider nicht kommentierbar. Sorry dafür.

 

Ich denke, ich habe mit der Ini nicht wirklich überzeugen können und akzeptiere das. Wenn ihr bessere Vorschläge habt, dann bringt sie doch bitte an. Wir brauchen die. Wir müssen dem ewigen Gemecker udn genörgel endlich etwas entgegensetzen. Da hilft uns kein Rückzug in die sogenannte Filterblase, kein Wegsehen, kein selbst immer nur meckern. Manchmal reicht es ja schon, sich selbst zu beobachten und festzustellen: „Hoppla, jetzt hätte ich das fast auch so mit dem Gemecker statt mit konstruktiver Kritik gemacht.“ Das wäre ein Anfang, den alle machen könn(t)en. Ich will hier niemanden anprangern, beschimpfen oder sondergleichen. Ich möchte nur, dass arbeitende Menschen nicht immer noch mehr demotiviert werden. Ich möchte wieder Spaß an dieser Partei haben, möchte wissen, dass es nicht für die Tonne ist, wenn ich in der Partei mal irgendwann wieder irgendwelche Dinge tu. Nehmt mir diesen Post bitte nicht zu übel, er ist nicht als Pranger oder was auch immer gedacht, nur als Denkanstoß. (und wieder nicht korrekturgelesen, wie der letzte)