Piraten und ihre Mack(en)

Och nöööö, schon wieder ein Post über die Piraten. Eigentlich, ja eigentlich wollte ich soeinen Post ja gar nicht bringen, nun tu ichs doch. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, warum Dinge so sind, wie sie sind.
Ich habe einen Blogpost von Daniel Mack gelesen ( http://danielmack.de/das-piratenschiff-sinkt ) , den ich nicht unkommentiert stehen lassen möchte. Vorweg: Herr Mack hat zum Teil Recht. Zum anderen Teil strotzt sein Post vor Arroganz.

Die Piraten befinden sich in einem Formtief, das dürfte allen schon aufgefallen sein. Ja, wir sind unprofessionell. Na und? Wollten wir nicht die neue Kraft aus den Reihen der „normalen“ Menschen sein? In den letzten Monaten ist die Partei rasant gewachsen, mit ihr die Strukturen und die Vielfalt der Menschen und Meinungen in ihr. Es wird viel Arbeit geleistet, vieles auch mehrfach parallel. Es fehlt an allen Ecken und Kanten an Koordination dieser Arbeit und infolge dessen brechen immer wieder Streitereien aus, die eher kontraproduktiv wirken. Vor einiger Zeit schrieb Fabio Reinhardt einen Blogpost ( http://blog.fabioreinhardt.de/piraten/das-dilemma-des-politischen-geschaftsfuhrers/ )  über das politische Geschäftsführer und seine Aufgaben.
Ich finde, er hat Recht.

Und wenn wir jetzt einfach ein neues PolGf wählen, ohne uns Gedanken über die Aufgaben zu machen, wiederholen wir bereits gemachte Fehler. Dass das nicht klug ist, dürfte einleuchten. Also warum definieren wir nicht eine koordinierende Aufgabe für das politische Geschäftsführer? Wie ich mir das vorstelle: bei einer Person laufen die Fäden zusammen, d.h. sie weiß, wo welche Arbeit gemacht wird. Koordinieren heisst für mich keinesfalls Einmischung, auch nicht, dass die koordinierende Person von allem Ahnung haben muß. Diese Person soll lediglich sicherstellen, dass Menschen, die an gleichen/ähnlichen Themen arbeiten, nicht das Rad zweimal erfinden, sondern voneinander erfahren und bestenfalls zusammen arbeiten. Ob nun diese Person alles alleine machen muss? Nein! Das Ganze kann auch von einer Gruppe gemacht werden, diese wiederum muss aber ebenso koordiniert und vor allem transparent und unvoreingenommen arbeiten. Soviel zu meiner Sicht, was paralleles Arbeiten angeht.
Ein weiteres leidiges Thema: jedes gegen jedes, alle gegen alle. Macht Euch bitte bewusst: Die Zeiten der 2000 Mitglieder sind vorbei. Ihr könnt nicht jedes Parteimitglied persönlich kennen oder gar mit ihm befreundet sein. Ihr müsst Menschen nicht gleich heiraten wollen, um mit ihnen arbeiten zu können. Ihr könnt der Partei massiv schaden, wenn ihr andauernd eure persönlichen Streitereien öffentlich eskalieren lasst. Das hat NICHTS, rein gar nichts mit Transparenz zu tun. Persönliche Feldzüge gegen andere Parteimitglieder sind nervig, störend und destruktiv.
Macht euch bitte bewusst: Wenn wir „Mitmachpartei“ und „Basisdemokratie“ SO groß schreiben, tragen ALLE, jede einzelne Person Verantwortung. Für jedes böse Wort auf Twitter & Co. Jedes Mitglied macht ein Stück des öffentlichen Bildes unserer Partei aus.
Ich habe diese ganzen persönlichen Streitereien sowas von satt. Und Herr Mack u.a. freuen sich über Input für ihren Wahlkampf. Bravo!

Lieber Herr Mack,
wir sind keine Profis. wir sind die, die Themen wie Netzpolitik etc eben nicht mehr den sich professionell wegduckenden, Fraktionsdisziplin gegen eigene Überzeugung einhaltenden Profis überlassen wollen. Wir sind BÜRGER dieses Staates, die sich durch die Profis nicht mehr vertreten fühlen. Bitte fragen Sie sich doch mal, warum das so sein könnte. WO waren denn die Profis bei diesen Themen vor den Piraten? WAS haben Sie da bisher durchgesetzt? WARUM beißen Sie jetzt um sich, statt konstruktiv mit enttäuschten Menschen zusammenzuarbeiten?

Und ja, jetzt komm ich auch noch mit der Vergangenheitskeule: Sie möchten mir nicht erzählen, dass die Grünen mit 6 Jahren schon professionell waren, keine Skandälchen und Streitereien hatten, oder? Und dennoch wurden die Grünen gebraucht und haben sich mit der Zeit etabliert. Und sie arbeiten auf bestimmten Ebenen gut mit den unprofesionellen Neulingen zusammen.

Sie freuen sich, dass die Grünen ein von Ihnen erarbeitetes Papier haben. Wir gehen den anstrengenden Weg und versuchen, mehrere Meinungen zusammen zu bringen. Natürlich haben wir da kein fertiges Konzept dazu. Wir wollen neue Wege gehen und damit die Demokratie wieder glaubwürdiger machen. Dass nicht jeder Versuch sofort funktioniert, ist für mich ein Zeichen dafür, dass verschiedene Ansichten aufeinander treffen und dass wir dann eben etwas anderes versuchen müssen. Anstatt Profis zu vertrauen, die sich jahrelang nicht um „unsere“ Themen gekümmert haben, sich jahrelang nicht für unsere Belange eingesetzt, uns jahrelang nicht nach unserer Meinung gefagt haben, wollen wir nun selbst etwas verändern. Und wir scheitern regelmässig in einzelnen Punkten, haben aber auch regelmässig Erfolge.
Ein Volksvertreter, der sich dermaßen arrogant gibt, genießt nicht unbedingt mein Vertrauen als Wähler.

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…und noch ein Wort an die Berliner Piraten…

…besonders an die in Friedrichshain-Kreuzberg:

ich habe meine Wahlkampfbeauftragung nun doch niedergelegt, obwohl ich im letzten Blogpost noch etwas anderes angedeutet hatte. Niemand hat mir einen Vorwurf gemacht. Auch nicht, was die anderen abgegebenen Aufgaben angeht.
Für Euren Umgang mit der Sache möchte ich Euch danken. Ich hatte nichtmal des Gefühl, dass Leute enttäuscht von mir sind – und das, obwohl das durchaus begründet gewesen wäre. Wir haben, wie ich finde, guten Ersatz gefunden.

Warum der Sinneswandel?

Sinn und Zweck meines Rückzuges ist ja, zur Ruhe zu kommen und auch ein wenig aus dem Schussfeld. So reizvoll die Wahlkampfbeauftragung auch ist, mit dieser hätte ich eben dieses Ziel nicht erreichen können. Deshalb war es nur konsequent, auch diesen Schritt zu vollziehen. Seit dem Rückzugsblogpost hatte ich einige Gespräche, die überaus konstruktiv verliefen, wie ich finde. Es gibt viele Baustellen, bei denen ich mich einbringen kann – wenn ich wieder das Gefühl habe, glaubhaft arbeiten zu können. Ich habe bereits mit einigen gesprochen, die gern mit mir arbeiten wollen und um etwas Zeit gebeten. Auch hier habe ich zu danken, weil mich niemand drängt. Einige tolle, spannende und wichtige Projekte deuten sich da schon an, ich werde aber dazu jetzt noch nix verraten.

Ich werde nicht komplett von der Bildfläche verschwinden, mich jedoch aus einigen Dingen schlichtweg heraushalten. Auch mein Twitteraccount wird nicht verwaisen und ich werde weiterhin den Mund auf machen, wenn mich etwas stört. Ich habe insbesondere in den letzten Wochen eine Konstruktivität udn einen Umgang erleben dürfen, den ich in der Partei leider recht häufig vermisse. Das #LobDesTages bei Twitter ist nicht auf meinem Mist gewachsen, ich habe es nur für mich entdeckt und ziehe das derzeit noch recht standhaft durch. Bitte macht mit. Es ist zwar nur eine kleine Geste, aber sie bewirkt viel. Sagt Leuten, dass ihr sie und ihre Arbeit wertschätzt. Eine Partei, die schlussendlich nur noch passive Mitglieder hat, kann nichts erreichen.

Was ist nun alles passiert? Ich bin kein Navigator der Crew Herz aus Gold mehr. Ich habe der Crew meine Beweggründe deutlich machen können und auch, warum ich einen neuen Navigator für wichtig halte. Auch das mit der Ankündigungsliste ist geregelt, ich habe also keine offene Baustelle mehr.. Ab morgen heissts also dann erstmal: Abstand gewinnen, Ruhe gewinnen und neue Kräfte sammeln.

Ich mag zu viele von euch zu sehr, um komplett unterzutauchen. Ich werde also wohl auch wieder ab und an mal Crews besuchen oder einfach Leute treffen, wenn mir danach ist. In erster Linie werde ich mich aber zunächst um mich kümmern, wieder zum Sport gehen und so Sachen eben…

In diesem Sinne…

so long and thanks for all the fish!

Tanzverbot? Och nööö

…alle Jahre wieder entbrennt um Ostern herum die Diskussion ums Tanzverbot.

Warum bin ich da immer wieder dabei? Ich habe nicht die Angewohnheit, am Karfreitag tanzen zu gehen. Es geht mir auch eigentlich gar nicht um das Tanzverbot als solches, sondern um seine Symbolwirkung.
Ich sehe das Tanzverbot kritisch, weil es stellvertretend für eine Bevorzugung einer Religion von gesetzlicher Seite steht. Welches Gesetz regelt zum Beispiel, dass Menschen islamischen Glaubens nicht beim Ramadan gestört werden? Und wie will man das regeln, wenn irgendwann mal 2 verschiedene Religionen gegensätzliches Handeln wünschen? Wir haben in unserem Grundgesetz die Freiheit der Religion und auch den Gleichheitsgrundsatz festgehalten. Beides finde ich überaus wichtig.

Wenn z.B. Menschen am Karfreitag in einem Club tanzen gehen, die nicht christlichen Glaubens sind, soll man denen das wirklich verbieten, solang sie das eben nicht in einer Kirche oder davor tun? Sollte nicht vielmehr mit mehr Bildung für echten Respekt und echte Toleranz gesorgt werden? Verbote bringen immer auch Trotzreaktionen mit sich. Ich habe mich gerade an mehreren Fronten verteidigen dürfen, weil ich das Tanzverbot eben nicht gut finde. Nein, ich bin kein Mensch, der heute in die Kirche geht, um zu tanzen. Gefühlt habe ich mich aber so, zumindest, was die Diskussionen anging.

Ich halte es für wichtig, dass Gläubige in diesem Land gleiche Voraussetzungen haben, wie nicht Gläubige und auch, was die verschiedenen Religionen angeht. Nein, ich möchte den Gläubigen nicht ihre Feiertage „wegnehmen“. Und nein, ich ruhe mich nicht auf religiös dahergebrachten Auszeiten wie Sonntagen oder Feiertagen aus. Ich arbeite immer wieder sonntags, auch an Adventssonntagen. Und ich bin da nur einer von vielen. Ja, Deutschland hat aufgrund seiner Geschichte eine christliche Prägung. Von einigen Feiertagen profitieren alle, auch die bösen Atheisten. Es kam z.B. sinngemäß der Spruch „mal sehen, wie die Atheisten heulen, wenn Sonn- und Feiertage abgeschafft werden“. Ich bin nicht der Meinung, dass Menschen ohne freie Tage zwischendurch ununterbrochen gute Arbeit machen können. Wir brauchen zwischenzeitlich Erholungspausen. Diese Funktion übernehmen Sonn- und Feiertage nunmal auch. Nochmal: ich will Sonn- und Feiertage nicht abschaffen. Arbeitsplätze (also echte, von denen man leben kann) werden immer weniger in diesem Land. Wir können uns erlauben, 1 oder 2 Tage in der Woche frei zu machen. Nein, wir MÜSSEN uns das erlauben. Ob das nun zwangsläufig der Sonntag sein muss, sei dahingestellt. Ein einheitlicher Wochentag ist aber z.B. für Familien wichtig, egal, ob sie glauben oder nicht. Was Feste wie Ostern oder Weihnachten angeht: Weihnachten bedeutet für mich Stress, viel Arbeit und Hektik  Es hat für mich nichts mit „Fest“ oder so zu tun. Im weltlichen Sinne hat es sich halt auch als Familienfest entwickelt (aus dem christlichen heraus halt), was es aber eben nicht zwangsläufig für Anhänger anderer Religionen ist. Von mir aus arbeite ich eben Weihnachten, Ostern oder Pfingsten.

Wer hindert uns denn daran, anstelle bundeseinheitlicher religiöser Feiertage ein paar weltliche einzuführen? Man könnte den Sommeranfang feiern oder was auch immer. Ein paar einheitliche Feiertage sind gut und nützlich, genau wie freie Tage in der Woche. Was spricht dagegen, religiösen als auch nicht religiösen Menschen einen höheren Mindesturlaub zuzugestehen, den sie dann für IHRE Feiertage nutzen können? Mit welchem Recht müssen Einwohner einiger Bundesländer mehr arbeiten als die anderer?

Ich möchte, dass alle Menschen „ihre“ Feiertage haben. Ich sehe nicht, warum Atheisten keine Feiertage haben sollen. Ob das nun christliche sind oder nicht, halte ich da für eher unwichtig, dann ists halt Urlaub oder was auch immer. Der Gleichheitsgrundsatz sagt mir aber: freie Tage müssen für alle gleich viele sein, wenn sie gesetzlich vorgegeben werden.

Mit meiner Haltung wurde mir auch schon Respektlosigkeit vorgeworfen. Respektlosigkeit gegenüber einer Kirche, die mich als Menschen, wie ich bin, nicht akzeptiert. Nun: die KIRCHE respektiere ich in der Tat nicht, ich habe keinen Grund dazu. Ich respektiere jedoch religiöse Menschen und auch ihren Glauben. (Ich habe mal im Aussendienst mit einem streng gläubigen Muslim zusammengearbeitet und wir haben uns bestens verstanden. Es gab IMMER Gelegenheit für seine Gebete. Ich hatte dann halt einfach mal Pause oder was auch immer.) Ich wünsche mir, dass Respekt, Akzeptanz und Toleranz keine Einbahnstraßen sind. Ich wünsche mir das alles in BEIDE Richtungen. Und denken wir doch bitte daran: es gibt Berufe, die weder Sonn- noch Feiertage kennen. Also: abregen, durchatmen und vernünftig und in Ruhe miteinander über mögliche Veränderungen diskutieren. Nicht pöbeln, nicht provozieren. Das hat noch nie zu Gutem geführt.

Zurück auf Start?

Tja, hier ist nun besagter Blogpost, den ich heute im Laufe des Tages angekündigt hatte. Stattdessen klemme ich mir die beiden anderen (quasi fertigen) Posts zum Thema Geiz und zur Frage, warum die Berliner Piraten bei der Teilausschreibung der Berliner S-Bahn nicht kooperativer waren.

Warum dies?

Leute, die mich ein wenig kennen, haben in den vergangenen Tage/Wochen sicher schon mitbekommen, dass es etwas ruhiger um mich wurde, insbesondere, was Piraten angeht. Ich habe nachgedacht. Nachgedacht über Dinge, die ich getan/erreicht habe, nachgedacht darüber, ob/wie ich weiter mache und ob ich die Kraft dazu noch habe. Ich bin zu keinem 100%igen Ergebnis gekommen, aber doch zu einem Ansatz.

Damit Ihr versteht, worum es geht, möchte ich einen kleinen Trip in die Vergangenheit mit euch machen.

Der Anfang war irgendwann im Sommer 2011. Auf einem Strassenfest wurde ich überhaupt erst auf die Piraten aufmerksam und fing an, mich mit der Partei und ihren Zielen zu beschäftigen. Beim CSD intensivierte sich der Kontakt und ich war hellauf begeistert. Endlich eine Partei, bei der ich wirklich mitmachen und etwas bewegen kann. Zur Wahlparty am 18.9. unterschrieb ich meinen ersten Mitgliedsantrag für eine Partei überhaupt. Das Piratige Mandat gefiel mir und ich probierte es aus. Ich lief mal eben los und sammelte Wahlplakate ein, überzeugte andere Leute, dabei zu helfen und hatte Spaß dabei. Allein hab ich dann „umgerechnet“ wohl schätzungsweise halb Friedrichshain abgehängt, +/- x. Ich glaube, bei diesen Aktionen habe ich auch einige heute tolle aktive Piraten mit dem Tatendrang angesteckt. DARAUF bin ich stolz!

Ich war zunächst leidenschaftlicher Crewhopper*, schlug hier und dort auf, sammelte mit Piraten Unterschriften für den S-Bahn-Tisch usw. Was mich störte: Im Norden Friedrichshains gab es nicht eine Crew. Diverse Piraten waren der Meinung: „Ne Crew im Norden? Geht nicht“. Ich machte ein Pad auf und suchte Leute, die mitmachen wollten. Am 23.11. gründeten wir unsere Crew**, die Herz aus Gold. Seit diesem Tag bin ich dort der Navigator***.

Unter anderem haben wir recht schnell gemerkt, dass es für neue Leute in der Partei schwierig ist, sich zurecht zu finden. Wir veranstalteten ein Neupiratentreffen. Ausserdem haben wir in lockerer Folge Mitglieder unserer Fraktion im AGH eingeladen, um Kontakt zu halten und Feedback geben zu können. Wir wollten usn informieren. verstehen, anstatt zu meckern.

Dann haben wir in diesem Landesverband noch eine moderierte Ankündigungs-Mailingliste. Diese war/ist immer eine der Empfehlungen für neue Mitglieder, weil hier eigentlich nur wichtige Ankündigungen fast ohne Grundrauschen kommen, man muss nicht groß filtern und weiß Bescheid. Die damaligen Administratoren hatten dank der Wahlergebnisse den Kopf voll, das merkte ich an den z.T. langen Laufzeiten (bis zu 2 Wochen). Also bot ich meine Hilfe an und sie wurde angenommen. Das mache ich nun seit Dezember 2011. Irgendwann wurde ich vom Moderator zum Admin gemacht, ich hab keine Ahnung mehr, wann das war. Eines Tages schrien alle nach verbindlichen Regeln für diese Liste. Da aber kaum jemand welche aufstellen wollte… machte ich ein Pad auf. Inzwischen hinzugewonnene Moderatoren und ich kippten unsere Gedanken hinein. Der damals scheidende Vorstand wollte das lieber über LQFB**** erfragen, also stellte ich eine Ini ein, die zu guter Letzt erfolgreich war und vom mittlerweile neuen Vorstand bestätigt wurde.

Beim CSD 2012 sprang ich kurzfristig als „Strampler“ für die Tram Berta ein, liess mich von Leuten am Straßenrand stellvertretend beleidigen. Naund? Mit großem Spaß nahm ich auch an Anti-ACTA im kalten Februar teil und opferte meinen Geburtstag. Weil es das wert war. Ich stand 2013 protestierend vor der russischen Botschaft. Mit Stolz. Und mit Queeraten*****-Fahne.

Wir haben auch ein ÖPNV-Squad, in dem ich Mitglied war, die entsprechende Mailingliste „besorgt“ und auch administriert habe. Weil ich nicht wirklich oft zu den Treffen konnte, hatte ich angeboten, online mitzuhelfen, wo ich kann. Irgendwann war ein Punkt erreicht, an dem das Passwort für die Mailingliste erfragt wurde, ich fühlte mich nicht mehr willkommen und zog mich zurück, was der Ansprechpartner dieses Squads noch durch Gespräche zu verhindern suchte. Ich hatte mich nicht umstimmen lassen.

Ich habe immer versucht, Gräben zuzuschütten, anstatt neue auszuheben, habe versucht, Kompromisse zwischen verstrittenen Leuten zu finden und zu vermitteln, Kontakte herzustellen usw. Und ich kümmere mich auch gern um kleine Dinge. Weil sie auch dazu gehören.

Meine Bilanz ist nun irgendwie ernüchternd. Unsere Inhalte (ja, die haben wir) sind inzwischen hinter Querelen, Streitereien, Skandälchen etc kaum noch zu sehen. Viele Leute schindern wie bekloppt und ihre Arbeit wird kaum wahrgenommen. Das ist frustrierend. Ich konnte hier NICHTS erreichen.

Die Crew: sie wird immer kleiner. Mögliche Tagesordnungen bastle ich allein. Oder auch nicht. Denn ich möchte eben nicht Top-Down arbeiten, was ich auch immer ganz klar zum Ausdruck brachte. Wenn niemand was für die TO hat, gibts halt keine mehr. Wir hatten mehrere Streitereien, von denen die meisten aber produktive Ergebnisse hatten. Bis auf die letzte, die ich bis heute nicht durchschaue. Mehrere Gespräche und eine versuchte Schlichtung waren erfolglos. Mir wird von einer Person nachgesagt, ich hätte sie als ehemaligen Stasi-IM diskreditiert/diskreditieren wollen. An dieser Stelle nochmal: sowas liegt mir fern. ich habe einen Heidenrespekt vor Leuten, die der Stasi damals die Stirn boten. Ich wüsste nicht, ob ich das könnte. Eine Kommunikation mit besagter Person ist unmöglich geworden.Eben jene Person organisiert Dinge mit/für die Crew, wünscht jedoch keinen Kontakt mit mir, und verweigert ihn auch. Mit besagtem Menschen hatte ich übrigens zuvor wirklich gut und gerne zusammengearbeitet und ich habe diesen sehr geschätzt. (Ein Blog, in dem diverse Vorwürfe gegen unseren Käptn und mich gemacht wurden, verschwand wundersamerweise ausgerechnet um den Zeitpunkt der Aufstellungsversammlung für die Berliner Landesliste.) Zum Protest an der Eastside Gallery bin ich nicht gegangen, um nicht auf diese person zu treffen. Damit kann ich mein Pöstchen als Navigator nicht mehr sinnvoll füllen: Gescheitert. (Anmerkung 11.3.2013: genanntes Blog ist nun doch wieder online, nein, ich werde es NICHT verlinken)

Die Ankündigungsliste: Leute schrien erst nach Regeln, jetzt wollen sich viele nicht dran halten. Nun gut. Von einer Person wurde mir kürzlich Zensur vorgeworfen. Diesen Vorwurf konnte ich (hoffentlich) entkräften. Da es sich um ebenjene Person handelt, um die es auch bei der Crew geht, kann ich deren Mails nicht unvoreingenommen bearbeiten, da der Zensurvorwurf ja auch ganz schnell wieder da sein könnte. In der LQFB-Ini habe ich mich klar gegen Zensur ausgesprochen. Ich lasse sie derzeit also liegen für die anderen Moderatoren. Nicht mein Anspruch: Gescheitert.

Inklusion: Es gibt seit Januar eine Pledge******, bei der es darum geht, Menschen mit speziellen Bedürfnissen den Zugang zu Bundesparteitagen zu ermöglichen. Ich habe viel dafür geworben. Von den notwendigen 1000 Unterstützern (die Partei hat ca 35000 Mitglieder) haben wir zum Zeitpunkt, zu dem dieser Eintrag erstellt wurde, 128 zusammen. Es geht um 10 Euro pro Nase. Leute streiten sich offenbar lieber über andere Dinge und spenden scheinbar lieber für BuVo-Neuwahlen. Auch an dieser Stelle bin ich damit: enttäuscht und Gescheitert.

Was ich beobachte: Ich rauche mich ohne Ergebnis auf. Das ist so sinnlos und bringt weder mir noch der Partei etwas. Beim Versuch, Streitigkeiten zu schlichten, bin ich nun selbst unglaubwürdig geworden. All das lähmt mich und lässt mich zweifeln. Also was nun?

Da dieser Blogpost mit niemandem abgesprochen ist und ich nicht möchte, dass das Leute eiskalt erwischt, werde ich zum 31.3.:

* als Navigator der Crew Herz aus Gold zurücktreten, da ich der Crew nicht schaden will. Ich muss ja annehmen, dass Leute glauben, was ihnen erzählt wird.

* die Administration/Moderation der Berliner Ankündigungsliste abgeben.

* mich zunächst erstmal in die Inaktivität zurückziehen, sofern mir das gelingt. Es schreien genug Leute rum, die es wohl besser können, sollen diese ruhig mal tun.

* was die Wahlkampfbeauftragung angeht: Wir sind zum Glück zu dritt. Die AV für Friedrichshain-Kreuzberg/Prenzlauer Berg Ost liegt in guten Händen. Hier kann ich nicht allzuviel versauen. Ich möchte versuchen, wenigstens diese Beauftragung ein wenig (nach meinen Kräften) auszufüllen, sofern das noch gewünscht ist. (Kommentare sind erlaubt)

Ich bitte hiermit um Entschuldigung bei allen Leuten, die dieser Schritt jetzt überraschen sollte, ich bitte auch um Verständnis. Nein, ich trete NICHT aus der Partei aus. Zuviele tolle Leute haben mich davon überzeugt, dass das falsch wäre. Ich halte diesen Schritt für wichtig und sinnvoll. Zumindest aus meiner Sicht. Ich brauche derzeit ein wenig Abstand und Ruhe. Ich komme wieder. Wenn Ihr das wollt und ich es kann.Ausserdem möchte ich mich auch bei all denen, mit denen ich mich schon im Vorfeld unterhalten habe, die mich motivieren wollten, für diesen Schritt entschuldigen. Ihr habt mich vor ner voreiligen Aktion bewahrt.

Ich möchte wieder mit tollen Leuten tolle Aktionen machen, ohne Intrigen, Neid und was auch immer. Für unsere Zukunft.

So long and thanks for all the fish!

Erklärungen für Nicht-Piraten:

* Crewhopper: eine Person, die andere Crews besucht

** Crew: ein meist kleinerer Haufen Leute, die sich lokal begrenzt sozial vernetzen. Eine Crew ist ein informelles Ding, kein Ortsverband oder dergleichen. Nicht alle Landesverbände haben auch Crews. Es gibt sehr unterschiedliche Crews, solche, die sehr viel thematische Arbeit tun und solche, die einfach mal gemeinsam reden udn was trinken wollen. Bei uns hat sich das irgendwie in der Mitte getroffen.

*** Navigator: ist eine Person in der Crew, die das Ganze nach innen zusammenhalten, koordinieren soll. Manche Crews nennen diese Leute auch 1. Maat oder irgendwie anders, ist halt informell. Es gibt oft auch noch einen Käptn oder eben was anderes (Geschlecht wurscht), der/die das Ganze nach aussen hin mehr oder weniger vertritt.

**** LQFB: kurz für Liquid Feedback, das ist ein Onlinetool, um Meinungsbilder einzuholen, es gibt hier verschiedene Instanzen und auch nicht jeder Landesverband nutzt es.

***** Die Queeraten: sidn eine bewegung innerhalb der Partei, die sich für die Belange „queerer“ Leute, also z.B. homo-,trans- oder anders sexueller Menschen einsetzen.

****** Pledge: Eine Versprechensdatenbank. Man kann ein Versprechen abgeben, das man erfüllt, wenn es eine festgelegte Anzahl an Leuten ebenfalls tut. Meine 10 Euro habe ich sofort überwiesen.

„Homo-Ehe“? Nein danke!

An verschiedenen Stellen schrieb ich ja bereits, dass ich den Begriff „Homo-Ehe“ genau so wenig mag, wie das derzeitige Konstrukt dahinter. Irgendwie drängt es mich, das heute mal etwas näher zu beleuchten. Die Bezeichnung „Homo-Ehe“ wirkt auf mich herabwürdigend, wertmindernd, diskriminierend. Genau das ist allerdings auch die heutige „Eingetragene Lebenspartnerschaft“. Sie führt zu zusätzlichen Pflichten (z.B. Bedarfsgemeinschaft) der Partner, gewährt ihnen aber nicht die entsprechenden Rechte.
So schauen eingetragene Partner in Sachen Steuerrecht, Adoption oder berufsständische Versorgung mehr oder weniger „in die Röhre“. Insbesondere die römisch-katholische Kirche und einige Anhänger argumentieren nun immer wieder mit dem Schutz der Ehe (Art. 6 GG).
Eben dieses Grundgesetz schützt allerdings auch die Familie. Es schreibt nicht vor, wie diese aussehen muss. Es geht aber davon aus, dass die Ehe die Vorstufe zur Familie darstellt. Nun sind diese Annahmen (gab es auch in der Weimarer Verfassung schon) aus heutiger Sicht meiner Meinung nach überholt. Es haben sich neue Lebensentwürfe entwickelt, die durchaus auch erfolgreich sind und in Familien münden. Ich verstehe nicht, was diese Arten von Familien mit alternativen Lebensentwürfen weniger förderungswürdig macht. Wie geht das mit dem Art.3 GG zusammen („Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“)? Wer sagt, dass eine Familie ohne klassische Ehe keine ist?
Eine Familie braucht keinen kirchlichen Trauschein!

Ich finde ja, die (insbesondere römisch-katholische) Kirche kann den Begriff „Ehe“ haben. Dann muss er aber auch aus dem Grundgesetz verschwinden und dort durch einen moderneren ersetzt werden. Warum nennen wir das nicht einfach Lebensbündnis?
Jede Art der Familie, jeder Lebensentwurf, die Menschen dabei helfen, friedlich zusammenzuleben, sich umeinander und auch um Nachwuchs zu kümmern etc., ist förderungswürdig. Die gleiche Kirche, die „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ sagt, behandelt ihre Angestellten schlecht, vertuscht Skandale, steht Vergewaltigten nicht bei. Hat eine solche Kirche das Recht, dem Staat vorzuschreiben, welche Lebensentwürfe er fördert? Hat sie das Recht, selbst vom Staat gefördert zu werden?
Wie sieht das mit den anderen Religionsgemeinschaften aus?

Ich finde, damit muss Schluss sein. Die Kirche muss wieder zu dem werden, was sie eigentlich ist: Eine Religionsgemeinschaft. Eine Privatsache. Sie ist kein staatliches Institut. Ein 64 Jahre altes Grundgesetz gehört in diesen Punkten modernisiert. Was spricht denn dagegen, dass homosexuelle Paare steuerlich gleichgestellt werden, Kinder erziehen und damit einen wichtigen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten? Was spricht dafür, den Art. 3 immer wieder auszuhöhlen, versteckt hinter dem Institut der klassischen Ehe? Auch bezeichnend: sogar die öffentlich-rechtlichen Medien verwenden den Begriff „Homo-Ehe“. Niveau: Boulevard.

Die derzeitige „Homo-Ehe“ ist Augenwischerei. Sie lässt Menschen denken, es sei alles geregelt. Ist es aber nicht. Ich verstehe nicht, warum sich homosexuelle Politiker bei entsprechenden Entscheidungen enthalten können, wo an dieser Stelle endlich Gleichberechtigung geschaffen werden könnte. Ich weiss, dass ich eben diese „Homo-Ehe“ nicht akzeptieren kann, will und werde. Ganz oder gar nicht! Der Staat hat losgelöst von der Kirche Fürsorge für ALLE Familien, für ALLE Lebensbündnissse, für ALLE Menschen zu tragen. Was ist so schlimm daran, wenn Menschen ihre Nächsten lieben, sich umeinander kümmern? Wem tut es weh, wenn Familien nicht mehr durch die klassische Ehe definiert sind (das sind viele m.E. schon seit Jahren nicht mehr)?

Noch etwas zum Thema Kinder: Ich persönlich würde zu heutigen Zeiten kein Kind adoptieren, weil ich wüsste, dass das Kind für meine sexuelle Orientierung leiden würde: im Kindergarten, in der Schule etc… .
Unsere Gesellschaft macht sich etwas vor. Wir sind lange noch nicht so tolerant, lange nicht so fortschrittlich und perfekt wie wir immer vorgeben. Irgendwo muss der Anfang gemacht werden.

Die CSD-Umzüge jedes Jahr gibt es nicht nur, damit das Fernsehen schöne bunte Bilder hat. Sie sind kein 2. Karneval. Sie haben bitterernsten Hintergrund.
Und deshalb geh ich hin.

Übrigens: Wie Diskriminierung hinter „Fakten“ versteckt wird, habe ich hier schon einmal aufgegriffen: https://chaosrind.wordpress.com/2013/01/11/blut-und-organe-spenden-jein/

Kampf der Geschlechter – wenn Menschen unter die Räder kommen

Vorweg: Diskriminierung ist scheiße. Immer. Egal wen sie trifft.
Ich bin mir des Shitstormpotenzials dieses Textes bewusst.
BITTE: lest in Ruhe. Versucht zu verstehen, was ich sagen möchte. Versucht, nicht irgendwelchen sexistischen Mist in diesen Text hinein zu interpretieren. Ich habe an dieser Stelle NICHT vor, Sexismus, Rassismus, Respektlosigkeit zu relativieren oder zu entschuldigen. Werft bitte mal ne Schippe Kohle weniger aufs Feuer.
Nehmt Menschen mit in der Diskussion und versucht sachlich und respektvoll zu argumentieren.
Verschliesst Euch bitte nicht gleich, wenn Mensch es vielleicht noch nicht ganz begriffen hat. Wie lange habt Ihr selbst dafür gebraucht?

Weiter: ich habe mir weder Herkunft, Geschlecht, Familie noch sexuelle Orientierung ausgesucht.
Ich lebe damit. Ich bin weder stolz darauf noch schäme ich mich dafür.

Seit einigen Wochen scheint der Kampf der Geschlechter in eine neue Phase eingetreten zu sein.
Frauen verlangen mit Recht Respekt und Gleichberechtigung. Ich muss hier nichts hinzufügen.
Die Debatte ist in der Öffentlichkeit angekommen. Das ist gut.

Ich fühle mich durch die Art der Diskussion aber eben nicht „mitgenommen“. Dieser Punkt war spätestens erreicht, als es sinngemäß hieß: „Männer verhalten sich so, weil sie nicht als schwul bezeichnet werden wollen.“. Vielen Dank für dieses Statement (Ja, es gab noch mehr, wie z.B. den schwulen Türsteher etc…).
Ein Übel ersetzen wir einfach durch ein anderes!
Wollen wir wirklich von Opfern selbst zu Tätern werden?
Können wir bei so filigranen und aufgeheizten Diskussionen bitte zweimal nachdenken, ob wir einer anderen Gruppe von Menschen vor den Kopf stoßen?
Wissen wir denn nicht, dass ein einziges falsches Wort genügt? Können wir mal diese „Empathie“ ausprobieren?
Der Satz „Jetzt sind wir auch mal dran.“ ist so destruktiv.
Dabei wollten wir doch dieses „bunt und vielschichtig“.
Mein Gefühl derzeit ist leider eher: Jedes Grüppchen kocht sein eigenes Süppchen.
Das funktioniert nicht und es tut MENSCHEN weh, auch mir.

Wieso reden wir nicht MITeinander? Warum pauschalisieren wir andauernd anhand körperlicher Merkmale?
Warum setzen wir andere Menschen pauschal in ihrer Wertigkeit herab?
Stoßen wir nicht vielleicht potenziellen Unterstützern vor den Kopf?
Ich bin in einem Land aufgewachsen, in dem man versuchte, Frauen gleichberechtigt zu behandeln, gleichzeitig aber doch diesen uralten Trott nicht ablegen konnte.
Sprüche wie „Bist du n Mädchen?“ und einige mehr waren gang und gäbe.
Dieses schwarz-weiße Frau-Mann-Denken wurde und wird Kindern andauernd eingepflanzt.
Ist es nun besser, diese (ehemaligen) Kinder wegzustoßen oder ist es besser, mit ihnen zu reden, zumindest bis sie sich entscheiden, an sich selbst zu arbeiten oder eben nicht?
In einem anderen Post hatte ich ja schon etwas zum Thema Trotz geschrieben, warum es nicht funktioniert, Menschen mit der „Holzhammermethode“ zu überzeugen. (https://chaosrind.wordpress.com/2013/01/23/warum-wir-mehr-miteinander-wagen-sollten/)
Genau das ist im Übrigen auch der Grund, warum mich die sogenannte Quote nicht überzeugt. Weil sie den Menschen das (Um)Denken abnimmt. Ich möchte keine Quote brauchen!

Diese Gesellschaft ist in so vielerlei Hinsicht krank:
Man könnte annehmen, dass die homosexuelle Szene gemeinsam für mehr Akzeptanz und Gleichberechtigung kämpft. Teilweise tut sie das auch. Auf der anderen Seite gibt es Lesben, die Schwule hassen und Schwule, die Lesben hassen. Eine Szene, die mit Recht Toleranz und Akzeptanz fordert, bekommt das nichtmal szeneintern hin. Warum unterscheiden wir überhaupt noch Lesben und Schwule? Warum sind wir nicht einfach queer?
Ich habe es satt, zwischen „den Geschlechtern“ hin und her geschubst zu werden, wie ein Pingpongball.
Ich arbeite mit Frauen genau so gern und genau so gut zusammen, wie mit Männern und habe nicht vor, das zu ändern. Für die meisten Dinge im Leben ist es so irrelevant, wer mit wem ins Bett steigt und erst recht, was da dann passiert.
Auch ich bin „unsozialisiert“ worden in der Form der Werte, die mir vermittelt wurden. Für homosexuelle Menschen bricht während des sogenannten Coming Out quasi eine Welt zusammen. Plötzlich sind all diese Werte zweifelhaft bis völlig falsch.
Dieser Punkt ist für mich inzwischen lange her. Seitdem arbeite ich ständig an mir. Ich erhebe nicht den Anspruch, perfekt zu sein.
Müsste es nicht eher Sinn und Zweck dieser Diskussionen sein, Menschen eben zu Arbeit an sich selbst zu motivieren, sie dabei zu unterstützen?
Verurteilen ist einfach. Überzeugen ist nachhaltig.

In der Hoffnung, mit diesem Text nicht auch wieder Menschen gekränkt zu haben, warte ich jetzt mal ab, was passiert. Ich plane keine Fortsetzung. Aus der aktiven Diskussion werde ich mich zunächst heraushalten. Auf Kommentare, sofern sie fair sind, antworte ich aber gern.

 

10.2.2013: CC-BY-ND geändert auf CC-BY-SA

Warum wir mehr Miteinander wagen sollten

Da sind sie wieder:

Lautstarke Diskussionen, jedes weiß es besser und alle anderen haben ja sowieso keine Ahnung. Wie leid ich das bin. Nur nie nachgeben. Andere haben gefälligst meiner Meinung zu sein, sie ist eh die einzig richtige.

Wenn ich mich selbst mal so beobachte, reagiere ich auf „Du musst“ in der Regel mit der Haltung: „Nö, muss ich nicht.“ Ich glaube, so ist Mensch irgendwie von Natur aus. Kinder, denen Vorschriften gemacht werden, reagieren oft trotzig.

In der Schule musste ich damals Russisch lernen. Ich habe es gehasst. Heute möchte ich diese Kenntnisse von mir aus reaktivieren und erweitern, ganz ohne dass mich jemand dazu zwingt oder drängt.

Bei einem Streit mit einem Telefonanbieter lernte ich:

In manchen Situationen werden leise Töne eher gehört als laute.

Also ganz zuerst: Dieses Stückchen Text soll versöhnen, nicht spalten. Es soll zum Nachdenken anregen und unnötige Fronten abzubauen helfen.

Ich verfolge nun seit geraumer Zeit diverse Diskussionen um Gender-foo, Sprachzeugs, Literatur, SMV usw. In all diesen Diskussionen gibt es jede Menge Argumente. gute, weniger gute und welche, die daneben sind. Vielen davon mag ich mich inzwischen gar nicht mehr anschliessen, weil hier gar nicht mehr versucht wird, Menschen zu überzeugen. Jedes geht wie selbstverständlich davon aus, dass seine Meinung die einzig wahre ist. Ich möchte aber nicht gedrängt werden.

Ich möchte überzeugt werden. Die „Holzhammermethode“ funktioniert da bei mir in den allerseltensten Fällen.

Eure Meinung mag richtig sein. Ich mag mich irren. Anstatt weggedrängt zu werden, möchte ich aber lieber mit Respekt behandelt werden. Ich möchte mit sachlichen Argumenten in vernünftigem Ton zu Nach- und/oder Umdenken kommen oder auch die Chance haben, Euch meine Argumente erklären zu dürfen. Geht das?

Statt Menschen wegzudrängeln oder vor sich herzuschubsen, statt mit Scheuklappen loszugehen und keine anderen Argumente zuzulassen, immer fleissig draufzuhauen, könnten wir ja auch mal MITeinander reden. Und nein, ich möchte hier keine Spinner, Relativierer oder sonstiges in der Richtung verteidigen.

Wir haben aktuell z.B. die Debatte um eine ständige Mitgliederversammlung. Eines der einleuchtendsten Argumente dafür ist wohl die Tatsache, dass wir mit den wenigen bezahlbaren Bundesparteitagen die Masse an Arbeit nicht schaffen. Ich kenne uns alle diesbezüglich, dass wir ja so Tooldebatten irgendwie „lieben“, aber bringt es uns weiter, wenn wir uns daran festbeißen? 😉 Wenn wir uns nun erstmal einen Plan machen, was sichergestellt werden muss und was weniger wichtig ist, was hält uns davon ab, später zu schauen, welches Tool am besten passt? Klingt einfach, ist es aber nicht. Wir hauen uns die Köpfe ein, weil es verschiedene Meinungen gibt, jedes weigert sich, sich die Argumente anderer auch nur anzuhören.

So funktioniert das nicht und wir reden ein wichtiges Thema kaputt.

Können wir bei all den Meinungen nicht erstmal nach Gemeinsamkeiten suchen, statt nach Unterschieden?

Irgendwann ist der Druck, „die richtige Meinung zu haben“, so groß, dass zumindest ich mich vom Thema resignierend abwende.
Ich befürchte, mit diesem Verhalten nicht allein zu sein. Wenn wir Menschen unsere Meinung „überhelfen“, nehmen wir ihnen das eigentliche (Um)Denken ab und ändern in den Köpfen nicht viel. Machen wir da nicht genau das, was wir „Symptombehandlung“ nennen? Wir verheizen uns gegenseitig und unser produktives Potenzial sinkt.

Ich bin übrigens davon überzeugt, dass wir „mal wieder runter kommen“ dürfen, dass uns das gut täte, sowohl was unseren Seelenfrieden als auch unsere Arbeit angeht. Darum wünsche ich mir, dass wir vernünftig miteinander umgehen, sachlich und fair argumentieren – überzeugen. Das ist schwierig, langwierig und zermürbend, aber auch nachhaltig, wenn wir gemeinsam dranbleiben.

Schließlich gibt es keine perfekten Menschen, aber einige, die an sich arbeiten.

Alle unsere Themen sind zu wichtig, um sie Trotzreaktionen zu opfern. Wer für etwas kämpft, muss mit Widerstand rechnen, auch mit dem eigenen. Ich will Themen aus Überzeugung unterstützen, andere überzeugen. Ich gehe dafür auch den mühsamen Weg. Ist es nicht vielleicht ein guter Weg, entspannter zu überzeugen, indem wir fragen, anstatt Dinge zu behaupten?

Wer fragt, erspart sich Ärger.

(Das habe ich mal in einer Fortbildung gelernt, man stellt sein Gegenüber nicht pauschal ins Unrecht.)

Vielleicht habt Ihr gerade eine Diskussion mit einem Menschen, das im Grunde längst auf Eurer Seite steht. Sind verbale „Warnschüsse“ in so einem Fall nicht eher katastrophal?

Im Kleinen wie im Großen: Nehmt Menschen mit. Übt das! Kritisiert konstruktiv, auch euch selbst. Lacht über euch selbst und gemeinsam.

Ob ihr das nun Selbstreflektion oder wie auch immer nennt, ist völlig egal. Bedenkt einfach nur: ihr habts mit anderen Menschen zu tun, die vielleicht nicht über die gleichen Informationen verfügen wie ihr, die vielleicht andere Erfahrungen haben.

Streitet euch! Vergesst aber nicht, euch zum Schluss wieder zu vertragen!

Mit Sympathie geht so vieles leichter. Nicht jedes mit anderer Meinung ist euer Feind! Mehr denn je brauchen wir vernünftigen und lebhaften Diskurs. Wir haben viele Themen, viele Baustellen, die beackert werden wollen. Das ist nur konstruktiv zu schaffen. Wenn wir die Gesellschaft verändern wollen, müssen wir direkt bei uns selbst anfangen, weitere Menschen überzeugen, ihnen zeigen, dass unser Weg Vorteile bietet.

Wir sollten uns als erstes die Zeigefingermethode abgewöhnen. Sie funktioniert nicht! Und auch sogenanntes „friendly fire“ macht Dinge kaputt, Dinge, die wir eigentlich ALLE wollen.

Und nochwas: Das Beispiel, auf das ich mich hier heute bezog, ist EINES von vielen. Ihr könnt selbst denken. Übertragt den Text einfach mal auf Eure (zwischenmenschlichen) Baustellen. Bei allen Meinungsverschiedenheiten haben wir doch letztlich ein gemeinsames Ziel, auf das es sich zu konzentrieren gilt. Lasst uns unsere Kraft bündeln, um gemeinsam unsere Themen energisch und überzeugend nach aussen zu vertreten!

Was ich übrigens leider extra nochmal betonen muss: ich nehme keine Leugner, Nazis, Esotheriker etc. mit. Warum sollte ich auch. Ginge es nach dem, was solche Leute wollen, gäbe es mich gar nicht.

An alle anderen:
Mehr Sympathie wagen! Mehr Empathie wagen! Mehr Miteinander wagen!

P.S.: Was Ihr hier gerade gelesen habt, ist durch konstruktive Zusammenarbeit deutlich aufgewertet worden. 🙂