Antrag auf Ordnungsmaßnahme, hier: Verwarnung

Disclaimer: diesen Text bitte keinesfalls überfliegen. Bitte richtig oder gar nicht lesen. Lieben Dank!

Liebe Piraten,

ja, wenn es so gewollt ist, stelle ich hiermit Antrag auf Ordnungsmaßnahme in Form einer Verwarnung für ALLE Mitglieder, die durch Provokation, Intrigen, Hetze, Beleidigung, Bedrohung, Beschimpfungen und unsachlichen bzw. respektlosen Umgang auffallen. Diesen bei allen Landesvorständen, die sich zuständig fühlen und beim Bundesvorstand.

Meine Lieben, ich bin zu dem Punkt gekommen, dass kein sogenanntes Gate parteischädigender ist als unsere „Kommunikation“, die eben von oben genannten Dingen geprägt ist. Nennt es Flügel, Strömungen oder wie ihr wollt. Wir haben die nunmal. Was nicht funktioniert ist, wenn eine Seite der anderen laufend Provokationen vor die Füße haut und die andere wiederum mit solchen antwortet, die natürlich noch toller sein müssen. Menschen, die diesen Flügeln vielleicht nicht angehören, werden dabei komplett aufgerieben und demotiviert. Wichtige und gute Arbeit geht in der Schlammschlacht unter. Was bei Wählern ankommt, habt Ihr sicher schon mitbekommen.

Ich habe in letzter Zeit sogar erlebt, dass ich von Menschen entsetzt war, die ich zu kennen glaubte und die ich sehr schätze. Ich werde diese aber nicht verurteilen, bevor ich mit ihnen selbst geredet habe. Schon gar nicht werde ich sie auf Twitter an einen unnötigen Pranger stellen.

Als in den letzten Tagen das alles so schön hochkochte, habe ich zunächst eine komplette Sendepause auf Twitter eingelegt, dann aber entschieden, dass das nicht notwendig ist. Seit gestern twittere ich wieder, ausgenommen Piratenthemen. Aus Gründen.

Ich sehe einen großen Unterschied zwischen Kritik und dem, was auf Twitter, im Mumble und sonst so regelmäßig abgeht. Menschen machen Fehler. Zu diesen sollen sie stehen. So ein Verhalten ist aber keinesfalls selbstverständlich, dazu brauchts Vertrauen. Vertrauen in einen sachlichen und respektvollen Umgang miteinander. Geht doch mal in euch. Stellt euch vor, ihr bekleidet ein tolles Pöstchen in der Partei. Dieses Pöstchen habt ihr durch eine Wahl erhalten. Die Arbeit hier macht euch großen Spaß und ihr seid überzeugt, das alles richtig zu machen. Und dann passiert es: ihr baut richtig Bockmist. Was macht ihr jetzt? Was ist zu erwarten, wenn ihr losgeht und den Piraten mitteilt: ich hab großen Mist gebaut, xyz werden das leider auch zu spüren bekommen, das kann ich nicht mehr ändern, auch wenn ich bei meiner Wahl etwas anderes versprochen habe. Ich habe gerade keine Lust, die folgenden Dinge hier zu beschreiben, ihr wisst selbst, wie das laufen wird. Hört auf, ÜBEReinander zu reden statt MITeinander.

Was ist passiert, dass wir anderen Parteien mehr glauben als der eigenen?

Was hindert uns, nachzufragen, wenn wir etwas nicht verstanden haben?

Wollt ihr wirklich Maschinen haben, die weder Gefühle noch Fehler kennen? Ich möchte das nicht.

Ich habe in letzter Zeit auch mit Parteimitgliedern gesprochen, die gemeinhin als Trolle beschimpft werden, habe als ein Mitglied des „bösen Berliner LV Hollywood“ prima Gespräche mit bayrischen und hessischen Piraten geführt. Ich redete mit Leuten aus Thüringen, Sachsen, NRW und eben aus allen Bundesländern. Und wisst ihr was? Dabei fiel nicht eine Beleidigung, nicht eine einzige Pauschalisierung, keine Drohung. NICHTS dergleichen. Solche Umgangsformen sind überflüssig wie ein Kropf! Sie haben schon dazu geführt, dass Mitglieder ausgetreten sind, weil sie genau diese nicht mehr ertragen haben.

Ich möchte euch an dieser Stelle nochmal auf den Piratenkodex (ganz besonders) und auch auf das piratige Mandat hinweisen. Sich diese zu verinnerlichen, sie verstehen und umzusetzen, ist ein Anfang. Sich mit der eigenen Lieblingshand mal an die eigene Nase fassen und sagen: „Ich bin nicht perfekt, habe die Weisheit nicht gelöffelt, aber ich werde ANFANGEN, an mir zu arbeiten, mir vielleicht auch von anderen dabei helfen lassen“. Das erwarte ich von erwachsenen Menschen. Was ich derzeit erlebe, sieht leider gänzlich anders aus. Es wird immer und immer wieder vorkommen, dass Menschen Dinge tun, die ich anders täte. Das zu kritisieren ist legitim. Diese Menschen dafür „fertigzumachen“ ist es aber nicht.

Als ich im Dezember letzten Jahres meinen Wiedereintritt in die Piratenpartei unterschrieb, machte mir genau dieses schon Bauchschmerzen. Ich tat es dennoch. Weil es Menschen in dieser Partei gibt, die eben versuchen, einen gemeinsamen Standpunkt zu entwickeln, der etablierten Politik etwas entgegenzusetzen. Weil ich eben diese Menschen nicht allein lassen möchte.

EIGENTLICH sollte ich doch jetzt hyperaktiv am Machen  sein, oder? Ich bin es aber nicht. Ich halte mich zurück, kandidiere für rein gar nichts, mache weniger als vor meinem Austritt (nämlich gar nichts).

Das wird sich wohl auch kaum ändern, solange ich ständig damit rechnen muß, von irgendwelchen Leuten angegriffen, beleidigt, für dämlich hingestellt zu werden. Achja, da waren ja auch noch die vielen inaktiven Piraten, von denen ich annehme, dass es zumindest einigen ebenso ergeht, wie mir.

Ich möchte etwas tun. Ich möchte diese Welt verbessern. Ich möchte dabei nicht täglich gegen die eigene Partei anrennen, denn sie ist nicht mein politischer Gegner.

Den ersten Absatz meine ich ernst. Ich wünsche mir von allen Vorständen, dass sie, was die Kommunikation untereinander angeht, hier konsequent Zeichen setzen und wir endlich anfangen, so etwas wie eine Diskussionskultur, auch eine Fehlerkultur zu entwickeln, die von gegenseitigem Respekt geprägt ist und nicht von Hass und Misstrauen.

Noch etwas: natürlich haben wir in der Partei Menschen mit unterschiedlich hohem Bildungsstand. Auch das halte ich nicht für ein Problem. Dagegen halte ich es für eines, wenn Aussagen gemacht werden, die bei Menschen mit geringerer Bildung (auch ich habe nur die mittlere Reife) eben komplett daneben landen. Was erwartet ihr denn bitte, wo das Bildungsniveau außerhalb unserer Partei liegt? Ganz schnell werden gut gemeinte Aussagen (die aber eben nicht alle verstehen) zu einem Bumerang. Ich sehe politische Bildung als einen der Aufträge dieser Partei. Anstatt Menschen also ihre Ungebildetheit vorzuwerfen, brauchen wir Angebote (Ich begrüße daher außerordentlich, dass der Landesvorstand Berlin dies erkannt und ein Budget dafür beschlossen hat). Immer und immer wieder. Dazu etwas Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen. Dann sind wir schon ein ganzes Stückchen weiter.

Wir sind die mit den Fragen. Wir wollen Politik anders machen. Fangen wir damit an!

Bevor jetzt irgendjemand auf die Idee kommt, ich würde damit xyz verteitigen und mich selbst in eine Ecke stellen: Ich muss hier nichts wiederholen, was eh schon in der Satzung steht. Es gibt Einstellungen und Gedankengut, für die in dieser Partei kein Platz ist. Es gibt auch Methoden, die hier nichts zu suchen haben, die werden leider in der Satzung nicht alle explizit aufgeführt – oder glücklicherweise?

Vielen Dank für deine Zeit, fürs Lesen und Nachdenken.

(Wer Tippfehler findet, darf sie behalten)