Piraten und ihre Mack(en)

Och nöööö, schon wieder ein Post über die Piraten. Eigentlich, ja eigentlich wollte ich soeinen Post ja gar nicht bringen, nun tu ichs doch. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, warum Dinge so sind, wie sie sind.
Ich habe einen Blogpost von Daniel Mack gelesen ( http://danielmack.de/das-piratenschiff-sinkt ) , den ich nicht unkommentiert stehen lassen möchte. Vorweg: Herr Mack hat zum Teil Recht. Zum anderen Teil strotzt sein Post vor Arroganz.

Die Piraten befinden sich in einem Formtief, das dürfte allen schon aufgefallen sein. Ja, wir sind unprofessionell. Na und? Wollten wir nicht die neue Kraft aus den Reihen der „normalen“ Menschen sein? In den letzten Monaten ist die Partei rasant gewachsen, mit ihr die Strukturen und die Vielfalt der Menschen und Meinungen in ihr. Es wird viel Arbeit geleistet, vieles auch mehrfach parallel. Es fehlt an allen Ecken und Kanten an Koordination dieser Arbeit und infolge dessen brechen immer wieder Streitereien aus, die eher kontraproduktiv wirken. Vor einiger Zeit schrieb Fabio Reinhardt einen Blogpost ( http://blog.fabioreinhardt.de/piraten/das-dilemma-des-politischen-geschaftsfuhrers/ )  über das politische Geschäftsführer und seine Aufgaben.
Ich finde, er hat Recht.

Und wenn wir jetzt einfach ein neues PolGf wählen, ohne uns Gedanken über die Aufgaben zu machen, wiederholen wir bereits gemachte Fehler. Dass das nicht klug ist, dürfte einleuchten. Also warum definieren wir nicht eine koordinierende Aufgabe für das politische Geschäftsführer? Wie ich mir das vorstelle: bei einer Person laufen die Fäden zusammen, d.h. sie weiß, wo welche Arbeit gemacht wird. Koordinieren heisst für mich keinesfalls Einmischung, auch nicht, dass die koordinierende Person von allem Ahnung haben muß. Diese Person soll lediglich sicherstellen, dass Menschen, die an gleichen/ähnlichen Themen arbeiten, nicht das Rad zweimal erfinden, sondern voneinander erfahren und bestenfalls zusammen arbeiten. Ob nun diese Person alles alleine machen muss? Nein! Das Ganze kann auch von einer Gruppe gemacht werden, diese wiederum muss aber ebenso koordiniert und vor allem transparent und unvoreingenommen arbeiten. Soviel zu meiner Sicht, was paralleles Arbeiten angeht.
Ein weiteres leidiges Thema: jedes gegen jedes, alle gegen alle. Macht Euch bitte bewusst: Die Zeiten der 2000 Mitglieder sind vorbei. Ihr könnt nicht jedes Parteimitglied persönlich kennen oder gar mit ihm befreundet sein. Ihr müsst Menschen nicht gleich heiraten wollen, um mit ihnen arbeiten zu können. Ihr könnt der Partei massiv schaden, wenn ihr andauernd eure persönlichen Streitereien öffentlich eskalieren lasst. Das hat NICHTS, rein gar nichts mit Transparenz zu tun. Persönliche Feldzüge gegen andere Parteimitglieder sind nervig, störend und destruktiv.
Macht euch bitte bewusst: Wenn wir „Mitmachpartei“ und „Basisdemokratie“ SO groß schreiben, tragen ALLE, jede einzelne Person Verantwortung. Für jedes böse Wort auf Twitter & Co. Jedes Mitglied macht ein Stück des öffentlichen Bildes unserer Partei aus.
Ich habe diese ganzen persönlichen Streitereien sowas von satt. Und Herr Mack u.a. freuen sich über Input für ihren Wahlkampf. Bravo!

Lieber Herr Mack,
wir sind keine Profis. wir sind die, die Themen wie Netzpolitik etc eben nicht mehr den sich professionell wegduckenden, Fraktionsdisziplin gegen eigene Überzeugung einhaltenden Profis überlassen wollen. Wir sind BÜRGER dieses Staates, die sich durch die Profis nicht mehr vertreten fühlen. Bitte fragen Sie sich doch mal, warum das so sein könnte. WO waren denn die Profis bei diesen Themen vor den Piraten? WAS haben Sie da bisher durchgesetzt? WARUM beißen Sie jetzt um sich, statt konstruktiv mit enttäuschten Menschen zusammenzuarbeiten?

Und ja, jetzt komm ich auch noch mit der Vergangenheitskeule: Sie möchten mir nicht erzählen, dass die Grünen mit 6 Jahren schon professionell waren, keine Skandälchen und Streitereien hatten, oder? Und dennoch wurden die Grünen gebraucht und haben sich mit der Zeit etabliert. Und sie arbeiten auf bestimmten Ebenen gut mit den unprofesionellen Neulingen zusammen.

Sie freuen sich, dass die Grünen ein von Ihnen erarbeitetes Papier haben. Wir gehen den anstrengenden Weg und versuchen, mehrere Meinungen zusammen zu bringen. Natürlich haben wir da kein fertiges Konzept dazu. Wir wollen neue Wege gehen und damit die Demokratie wieder glaubwürdiger machen. Dass nicht jeder Versuch sofort funktioniert, ist für mich ein Zeichen dafür, dass verschiedene Ansichten aufeinander treffen und dass wir dann eben etwas anderes versuchen müssen. Anstatt Profis zu vertrauen, die sich jahrelang nicht um „unsere“ Themen gekümmert haben, sich jahrelang nicht für unsere Belange eingesetzt, uns jahrelang nicht nach unserer Meinung gefagt haben, wollen wir nun selbst etwas verändern. Und wir scheitern regelmässig in einzelnen Punkten, haben aber auch regelmässig Erfolge.
Ein Volksvertreter, der sich dermaßen arrogant gibt, genießt nicht unbedingt mein Vertrauen als Wähler.