Piraten und so…

Liebe Piraten (und ich meine ALLE!),

 

in letzter Zeit flammen wieder Diskussionen um Themen auf, die auch mich beschäftigen und dazu möchte ich heute auch mal meinen Senf geben.

Die Sache mit den Neupiraten

Neupiraten sind Piraten. PUNKT.

Die Menschen kommen zu uns, weil sie irgendwas an dieser Partei reizt oder anzieht oder beides. Oder weil sie glauben, dass sie mit ihren Ideen bei uns ein Zuhause finden.

Das heisst nicht, dass sie alles bereits kennen, ganz im Gegenteil. Aber sie kommen zu uns und das ist gut so.

Nun gibt es Menschen in dieser Partei, die sich wundern, dass neue Leute irgendwie anders ticken, wichtige Werte nicht kennen usw.

Aber woran liegt das denn? Habt Ihr Euch diese Frage mal gestellt? Oder Euch mal gefragt, wie IHR das ändern könnt? Nein?

Ich selbst bezeichne mich als einen dieser Neupiraten. Ich bin offiziell seit September dabei, inoffiziell ein bisschen länger. Ich hatte einen Vorteil: Ich geriet an Menschen, mit denen ich persönlich „gut kann“. Ich lernte schnell noch mehr Leute und auch die wichtigsten Tools kennen und hatte damit einen entscheidenen Vorteil: Ich war gut vernetzt. Und ich konnte mich zügig einbringen. Ich konnte eine Crewgründung anschieben. Eben diese Crew besteht fast komplett aus solchen „Neupiraten“ und sie tut Dinge. Vor einiger Zeit kam es dort zu Diskussionen mit einem „Altmitglied“. Da kamen so Sprüche, wie „Durch die Neuen kommen wir zu nix.“ Der Beste aber war: „Wir wollten ja vor xyz Jahren schonmal so einen Neupiratenabend machen.“ Meine Reaktion war die schlichte Gegenfrage: Und warum HABT Ihr nicht? Und wir taten es. Wir veranstalteten dieses Neupiratentreffen, bei dem wir die Menschen ein wenig an die Hand nahmen, ihnen die Grundzüge und die Werte der Partei erklärten, die Tools ansprachen und zur Vernetzung anregten. Wir haben für Ersteres übrigens einen Piraten der ersten Stunde gewinnen können und das war toll.

Einige dieser neuen Mitglieder sind jetzt aktive Piraten. Na, merkt Ihr was?

Nicht jeder Mensch wuselt sich alleine da durch.

WIR müssen die Neumitglieder abholen.
WIR müssen den Leuten klarmachen, worum es bei uns geht.
WIR müssen zeigen, was wir wollen und was wir NICHT wollen, und das deutlich.
WIR müssen dafür sorgen, dass wir EINE Partei sind.
WIR sind DIE Piraten. So sieht das jeder da draussen, den ich kenne.
WIR als diese ominöse Basis haben die Verantwortung dafür, was geschieht, wie unsere Partei wahrgenommen wird.
WIR müssen dafür sorgen, dass sich weder Nazis noch Sexisten noch Scientologen oder …. bei uns wohlfühlen.

 

Strömungen in der Partei

Die Partei wächst und damit zwangsläufig auch die Vielfalt der Menschen in ihr. Dadurch entwickeln sich unterschiedliche Strömungen. Soweit ist dies alles normal. Durch unsere große Offenheit, die hohe Basisorientierung und unsere niedrigen Schwellen, was Beteiligung angeht, entwickeln sich allerdings auch solche Strömungen, die sich ganz und gar nicht mit unseren Werten und Zielen decken, sie zum Teil sogar negieren. Soetwas geht GAR NICHT.

Piraten, die in ein Land einmarschieren wollen, solche, die für Wahlplakate anderer Parteien mit dem Slogan „Nazis unter falscher Flagge“ sorgen, welche, ach, ich spare mir die weitere Aufzählung, weil mir sonst noch schlecht wird.

WIR ALLE haben die Pflicht und Verantwortung, uns damit auseinanderzusetzen. Wir müssen unsere Werte und Ziele verteidigen. Jedes einzelne Mitglied ist gefordert, Leuten zuzuhören. Gut zuzuhören. Wachsam, aber nicht hysterisch zu sein.

Die wenigsten haben Rhetorik, Geschichte etc studiert und wissen damit, wie das was sie sagen beim anderen ankommt. Aber einige wissen das eben SEHR genau. Sie nutzen die niedrigen Einstiegshürden und unsere Basisoffenheit aus, schaden der Partei und letztendlich uns allen.

Verlasst Euch nicht auf Twitter & co. Hinterfragt. Alles. Jeden. Bleibt fair und respektvoll dabei.

 

Jede(r) gegen jede(n)

Ich stelle immer wieder fest, dass sich immer und überall Gräben auftun. Wir zerstreiten uns, treiben uns gegenseitig in hysterische Aktionen und verlieren dabei ganz aus den Augen, was WIR eigentlich wollen und wo wir die Gräben eigentlich ziehen sollten, nämlich zwischen uns und Nazis, Sexisten, etc. und -wenn nötig- dem politschen Gegner.

Begriffe wie „Piraten 1., 2., 3. Generation“ erscheinen mir manchmal fast wie eine Einteilung in Klassen. Darum müssen solche Begriffe WEG.
Ich selbst habe von Anfang an daran gearbeitet, wenn mich was ärgert, z.B. nicht zu sagen „Die Bayern“, „Die Sachsen“ etc. Denn ich habe schnell begriffen, dass das noch tiefere Gräben zieht, die uns ganz sicher nicht helfen, unsere Ziele zu erreichen und dass ich in dieser Partei ÜBERALL Freunde habe.

Gräben gibt es nur da, wo wir selbst sie ziehen.

Darum, bitte: REDET miteinander (Twittern ist KEIN Reden).
Vernetzt Euch. Nehmt neue Mitglieder mit. Zeigt gemeinsam, was wir wollen. Klar, deutlich und unmissverständlich.
Und nein, man muss nicht jeden Piraten total lieb haben. Ein respektvoller Umgang ist aber nicht zuviel verlangt.

Ich habe in letzter Zeit soviel an persönlichen Querelen mitbekommen, die in der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Aber das ist für mich keine Transparenz. Das ist Schlammschlacht auf unterstem Boulevard-Magazin-Niveau.

Da werden Vorstände oder Abgeordnete angegriffen, die das zumeist vorher noch NIE gemacht haben. Anstatt rumzumeckern: HELFT.

Versucht, die Leute und das, was sie tun, konstruktiv zu hinterfragen, sie zu verstehen und ihnen zu helfen. Wir können und dürfen uns nicht zu Machtspielchen hinreissen lassen.

Denn wir haben genügend andere Sorgen. Ob wir unsere Ziele erreichen, liegt nur und ausschließlich an UNS ALLEN.

 

Vielen Dank an Katja und Stefan, die mir mit Korrekturlesen und Tips für diesen Text zur Seite standen 🙂

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